Reisebericht






Erlebnisse zweier Freunde aus Deutschland (September 2008)

Einschliesslich zahlreicher Detail-Infos zu Kuba und zu den Folgen des Wirbelsturmes "Ike"


Wir haben unsere Flüge über „Condor Eintagsfliegen“ im Internet gebucht. Condor fliegt jede Woche ab Frankfurt nach Cuba. (Varadero, Havanna und Holguin). Der normale Preis liegt immer so bei 650,-- bis 690,-- Euro. Über „Eintagsfliegen“ haben wir Flüge für 498,-- Euro pro Person gebucht. Das schien mir ein günstiger Preis zu sein (Hin- und Rückflug incl. aller Gebühren). Wir haben schon länger im Internet nach Flügen gesucht und bei diesem Preis dann endlich zugeschlagen. Ein kleiner Tipp am Rande: „Condor Eintags-fliegen“ findet Ihr nicht direkt auf der Condor Homepage. Ihr müsst bei Condor den „Newsletter“ abonnieren. Dann werdet Ihr regelmäßig über die Sonderangebote informiert. Ich bin über “Eintagsfliegen“ auch schon nach Brasilien und nach Mauritius geflogen.

Zum Hintergrund sollte Ihr etwas über die Reisenden erfahren:

Bernd ist ein Kampfsport Freak. Er betreibt eine Kampfsportschule, ein Fitness Center und eine Security Firma. Er läuft der ewigen Jugend hinterher und trainiert schon seit 25 Jahren. Wir haben auf Cuba seinen 44sten Geburtstag gefeiert. Ich kenne Ihn schon seit 13 Jahren. Es gibt kaum einen Typen in seinem Alter, der solch einen trainierten Körper wie er vorweisen kann. Er ist schon seit ich ihn kenne auf dem ganzen Planeten Erde auf der Suche nach der einzig wahren großen Liebe. Sie darf allerdings nicht mehr als 50 Kilo wiegen und sollte zwischen 20 und 25 Jahren jung sein. Das kann er sich bei seiner Figur auch erlauben, solche Ansprüche zu stellen. Für Bernd spielt die Nationalität und Ethnische Herkunft einer Frau keine Rolle. Hauptsache sie entspricht den genannten Alters- und Gewichtskriterien.

Das ist bei mir GANZ ANDERS…. Ich interessiere mich nur und ausschließlich für „
LATINAS “!!! Das Alter und Gewicht nehme ich da nicht so pingelig genau wie Bernd. So zwischen 25 und 35 finde ich okay und je nach Größe darf die „Chica“ auch zwischen 50 und 65 Kilo wiegen. Übrigens bin ich mit 43 nur ein Jahr jünger als Bernd. Wenn Bernd allerdings eine Frau mit einem Gewicht von 65 Kilo sieht und ich ihn auf den dazugehörenden Arsch hinweise, dann muss er sich gleich fürchterlich übergeben.

Ich denke eins habe ich mit vielen Lesern von EL-Cubano gemeinsam. Jagt mir bloß diese langweiligen, vertrockneten, spießigen Deutschen Frauen vom Hof! Sollen sich doch andere Männer mit diesen „Pseudo Intellektuellen Feministinnen“ beschäftigen. Da sind sich Bernd und ich jedenfalls einig. Tja, wie komme ich nun auf Latinas? In einer zwischenzeitlichen Single „Orientierungsphase“ im Alter von 29 bis 33 hatte ich 2 Mal das Vergnügen über einen längeren Zeitraum Verhältnisse mit verheirateten Brasilianerinnen zu haben. Junge Junge, dass hat echt meine kühnsten sexuellen Erwartungen übertroffen. Kenner der Szene wissen wovon ich Rede.

Aujeden Fall bin ich seit diesen Erfahrungen den sexuellen Versuchungen der Latinas (da gehört für mich Brasilien dazu) verfallen. Ich habe nur einen Fehler gemacht. Ich habe mich 1997 in Brasilien selbst in eine Brasilianerin verliebt und 2000 geheiratet. Seit 2006 bin ich getrennt und sein 2008 geschieden. Zum Glück habe ich keine Kinder. Und seit der Trennung von meiner Exfrau konnte das Partyleben endlich wieder in vollen Zügen beginnen. Ich habe mich jetzt wieder auf die andere Seite geschlagen. Soll heißen „vom betrogenen Ehemann“ in Richtung „Lover diverser, oft verheirateter Chicas“. Nach 5 weiteren mehr oder weniger festen Beziehungen oder Verhältnissen mit Brasilianerinnen bin ich dann auf den Kuba Geschmack gekommen.

Die Chicas aus Kuba stehen den Chicas aus Brasilien (in Brasilien heißen die allerdings Meninas) in nichts nach. Sie sind genauso untreu und sexsüchtig wie das portugiesisch sprechende „Menina Volk“ im Süden vom „Latina Festland“. Von den ca. 20 Kubanerinnen die ich aus der Szene kenne sind glaube ich 3 oder 4 treu. Die anderen Streiten sich meist um Ihre Liebhaber. Die meist gut verdienenden, ca. 20 Jahre älteren Hausbesitzenden Ehemänner und Ernährer der 1-2 Kindern dienen als Versorger und hüten die Kinder am Wochenende, während die eigentlich schon von Chicas zu Frauen mutierten, nimmersatten Ehefrauen nach einem Liebhaber in diversen Discotheken und Bars Ausschau halten. Wir haben nicht selten schon 3-4 Kubanerinnen aus Deutschen Discotheken und Salsa Clubs abschleppen können. Einer meiner eher schüchternen Freunde fragt mich gelegentlich nach „Beifang“.

So komme ich nun auf Sonia zu sprechen. Unsere „Reiseführerin“ auf dem Trip nach Kuba (beziehungsweise meine aktuelle in Deutschland lebende, verheiratete Freundin aus Kuba). Ich habe sie auf einer Salsa Party kennen gelernt, als Ihr Mann zu Haus auf den gemeinsamen Sohn aufgepasst hat. Ihr denkt jetzt bestimmt „Oh man ist der blöd…. Der nimmt das Bier mit in die Kneipe.“ Aber nach meinen Erfahrungen auf dieser ersten Kuba Reise war ich hinterher froh. Das ich eine feste Freundin dabei hatte. Aber dazu komme ich noch in meinem nun endlich folgenden Reisebericht.


Jetzt gehts los:

Dienstag, 09.09.2008:

Die Anreise erfolgte mit dem Zug nach Frankfurt am Main. Unseren ersten Urlaubstag haben wir dann allerdings in Frankfurt am Main verbringen müssen. Denn der Flug war wegen „Hurrican Ike“ auf den nächsten Tag verlegt worden.


Mittwoch, 10.09.2008: Flug nach Varadero - Weiterfahrt nach Havanna

Um 06.00 Uhr klingelte der Wecker. Wir sollten um 07.00 Uhr einchecken und um 09.00 sollte es losgehen. Denkste. Der Flug wurde auf 12.00 verlegt. Vielleicht sind „Eintagsfliegen“ mit Condor ja doch nicht so toll? Wir sind um ca. 18.00 Uhr Abends in Varadero gelandet. In Varadero wollten wir auf keinen Fall bleiben. Da hätten wir ja auch nach Spanien ans Meer fliegen können. Bekanntlich sind in Varadero nur
Touristen Hotels . Varadero hat mit Kuba wirklich nichts zu tun.

Sonias Vater lebt in Havanna City. Und er hat uns ein „
Casa Particular “ in Havanna für 25,-- Euro pro Zimmer organisiert. Aufgrund von Hurricane Ike standen am Flughafen keine Taxis. Es kamen auch kaum Flugzeuge an. Schon jetzt wusste ich, warum wir Sonia mitgenommen hatten. Sie hat mir Ihren Spanisch Kenntnissen (ich spreche leider nur Portugiesisch und Englisch) einen Bus organisiert. Der Fahrer hatte eigentlich auf einen Flieger zu warten, der allerdings auch wegen Hurricane Ike erst in 4 Stunden landen sollte. Sonia konnte ihn überzeugen uns und 5 Deutsche Rucksacktouristen (ein Pärchen und eine 3er Gruppe junger Studenten) illegal nach Havanna zu bringen. Das hat uns pro Person 10 CUC gekostet. Es scheint sich für den Fahrer gelohnt zu haben. Was Bernd und ich allerdings nicht wussten, der Bus ging nach Guanabo in der Provinz Havanna und nicht nach Havanna City. Sonia kannte aufgrund ihrer Deutschen Sprachkenntnisse nicht den Unterschied zwischen einer Stadt und einem Staat (oder Provinz). Sie ging davon aus dass wir ein Haus am Strand in Havanna Staat haben wollten. Also hat sie Ihren Vater losgeschickt und er hat uns ein Haus am Strand in Guanabo angemietet.

Das Party Paradies Havanna City war also noch 30 Kilometer entfernt und wer Guanabo kennt, der weiß, was das für ein Nest ist. Erst Recht nachdem „Ike“ dafür gesorgt hatte, dass es kaum noch Palmen und Sand am Strand gab und wir in der ersten Nacht auch keinen Strom hatten. Der Busfahrer hat uns dann an einem Kreisverkehr in Guanabo unserem Schicksal überlassen. Sonia hat nach ca. 1 Stunde das Haus endlich gefunden. Ihr Vater und
2 Halbbrüder aus 2. Ehe des Vaters haben uns mit einer Flasche Rum erwartet. Die Freude war groß und Ihr Vater hatte aufgrund des langen Wartens auf uns auch schon die halbe Flasche alleine gesoffen. Das Pärchen hat dann irgendwie ein Taxi nach Havanna City organisiert und ist abgedüst Wir sollten Sie erst am Flughafen in 2 Wochen wiedersehen. Für die Studenten hat sich noch ein „Casa particular“ gefunden. Die Studenten bestanden darauf (zwei Jungs und ein Mädchen), in einem Zimmer zu dritt zu schlafen. Das macht aus Kostengründen auch Sinn. Damit war die Dame des Hauses und Sittenwächterin aber nicht einverstanden. Ich denke sie wollte aber eher 2 Zimmer vermieten und doppelt verdienen. Die Studenten sind dann tatsächlich zu Fuß mit Ihren Rucksäcken Richtung Havanna City gelaufen und das in der Nacht um 22.00 Uhr ohne Straßenbeleuchtung (wie erwähnt, war überall Stromausfall). In Brasilen hätten die das nicht überlebt. Aber in Kuba scheint das kein Problem zu sein. Es stimmt tatsächlich: Kuba ist das sicherste Reiseland in ganz Latein Amerika dank Fidels Sicherheitskräften !

Bernd und Ich haben mit dem Vater und den Brüdern den Rest der Flasche Rum getrunken und Sonia hat Ihren und meinen beiden Koffer ausgepackt und die Betten vorbereitet. Um 23.00 Uhr war die kurze Begrüßungsparty Party zu Ende weil der Vater und die Brüder den Bus nach Havanna City zurück nahmen und wir sind echt Müde eingeschlafen.


Donnerstag, 11.09.2008: Havanna, Guanabo

Um 08.00 Uhr sind Sonia und ich wach geworden. Bei Tageslicht konnten wir unser „Casa Particular“ betrachten. Zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer, eine Wohnküche und eine Terrasse. Das Apartment war in der ersten Etage eines Zweifamilienhauses. Alles in einem ordentlichen und sauberen Zustand. Ja ein bisschen Deutsch sind wir ja doch. Bis zum Strand waren es keine 3 Minuten zu Fuß. Also auf, die Jogging Schuhe an und mal 10 Kilometer joggen und die Gegend erkunden. Es gibt eine Hauptstraße durch den Ort. Parallel zu der Hauptstraße einen Block weiter ist der Strand (bzw. was Ike davon übriglassen hat). Es sollte das einzige Mal sein, dass ich mich zum joggen aufraffen sollte. Es ist einfach zu heiß und 90% Luftfeuchtigkeit motivieren auch nicht auf Sport. Selbst Bernd hat es in 2 Wochen nur einmal in ein Klimatisiertes Bodybuilding Studio geschafft. Er hatte ja auch ein anderes Ziel: In 2 Wochen möglichst viele Bars und Discos aufzusuchen und die einzig wahre „
Chica “ zu finden. Dabei sollte der Rum und das Bocanero Bier in strömen fließen…

Wir haben 4 Nächte in Havanna geplant. Davon haben wir eine Nacht in Frankfurt verschwenden müssen. Für die Zeit in Havanna haben wir von Deutschland aus ein Auto gemietet. Es sollte ein Suzuki Jimy Jeep sein. Das Auto sollten wir an einem Hotel abholen. Ein Taxi fuhr uns dort hin. In dem Hotel wusste keiner etwas davon. Gegenüber vom Hotel sollte der Mietwagenverleih sein. Dort gab es aber keine Autos. Die wurden vorsorglich wegen Ike evakuiert.
Also zurück nach Guanabo . Dort gab es eine Werkstatt von Cubacar. Die haben uns dann tatsächlich einen Wagen organisiert.

Ohne Sonia als Dolmetscherin wären wir wahrscheinlich zu Fuß gehen oder mit dem Bus in das Mekka der Partys nach Havanna Stadt gefahren. Es war zwar kein Suzuki Jimy aber immerhin ein Daihatsu. Strom gab es immer noch nicht und so sollte die Kaution von 250,-- Euro Bar hinterlegt werden, weil die
Kartenlesegeräte nicht funktionierten . Nach 30 Minuten Diskussion hat mein Gegenüber dann doch noch eine altes manuelles Visa Card „Ritsch Ratsch Gerät “ (wisst Ihr wie die Dinger heißen?) aus einer Schublade gezaubert. Mittlerweile war es ca. 12.00 Uhr und es sollte endlich nach Havanna gehen. Autobahnschilder waren so gut wie nicht vorhanden. Muss ich Ike noch erwähnen?
Eine Abfahrt müssen wir wohl verpasst haben. Jedenfalls sind wir erst um 14.00 in Havanna angekommen. Wie wir später erfahren haben, war der Tunnel zwischen Guanabo und Havanna der direkt zum Malecon führt sowieso gesperrt. Ihr könnt Euch denken warum. Ich erspare mir das Gequatsche über die Sehenswürdigkeiten in Havanna City. Kauft Euch einen Reiseführer. Die können das besser als ich. Auf jeden Fall ist die Stadt ein Kracher und 100% eine Reise wert. Ich war und bin total begeistert!

Am Abend zurück nach Guanabo, etwas essen, duschen umziehen und ab ins Nachtleben von Havanna! Bernd wurde um Mitternacht 44 Jahre alt und wir wollten in einer Disco feiern. Kaum aus dem Casa Particular heraus stehen an der Tankstelle in der Traube von ein paar jungen Cubanern 2 Chicas nach „meinem Geschmack“. Ich sah sie nur so aus dem Augenwinkel und Sonia meinte irgendwie, es sei eine gute Idee, die anzusprechen und forderte Bernd auf zu halten und die beiden mitzunehmen. Die sind auch prompt eingestiegen und setzten sich zu Sonia auf den Rücksitz. Ich durfte nicht hinten sitzen. Ganz so tolerant ist Sonia auch nicht. Also Bernd und ich vorne und die 3 Chicas hinten. Den Cubanern hat das anscheinend nichts ausgemacht, dass wir denen die Chicas vor der Nase weggeschnappt haben. Die Chicas wollten in eine Disco in Guanabo auf einem Hügel.

Oben angekommen, stellten wir fest,
dass die Disco zu hatte . Kein Strom wegen Ike. Da kommt so eine super blonde Chica mit der Wahnsinns „Bernd-wird-gleich-verrückt-Figur“ vom Eingang der Diskothek in Richtung Ihres weißen, parkenden Autos angerauscht. Bernd kriegt sich gar nicht mehr ein und schickt Sonia los die anzusprechen, obwohl wir ja noch 2 Chicas im Gepäck haben. Sie kam extra aus Varadero mit Ihrem eigenen Auto zu der Disco gefahren und ärgerte sich, dass der Laden zu hatte. Unglaublich, sie drückt Bernd gleich ihre Visitenkarte mit Handy Nummer in die Hand während die beiden anderen Chicas immer noch mit mir im Auto sitzen. Zum Glück sitze ich vorne, sonst hätte es hinten gleich eine Fummelei gegeben. Chica mit eigenem Auto und Handy und Visitenkarte auf Kuba??? Na so ganz scheint das mit dem Sozialismus ja nicht mehr zu funktionieren . Die Blonde fuhr zurück nach Varadero, wir wollen endlich nach Havanna. Zum Glück kannten die beiden Chicas auf unserem Rücksitz den Weg und es dauerte nur 30 Minuten bis Havanna weil der Tunnel wieder geöffnet war. Später am Abend hat mir Sonia dann erzählt, worüber die beiden Chicas sich mit ihr unterhalten haben. „Welcher von den Touristen gehört zu Dir? Bernd oder Michael?“ wurde sie gefragt. Natürlich verwies sie auf mich und ich war aus dem Rennen. „Welche von uns will Bernd haben? Oder möchte er uns beide mitnehmen?“

Wer jetzt die erste „spannende Geschichte“ erwartet wird enttäuscht, wie Ihr gleich lesen werdet. So ungefähr ab Malecon bis zum Hotel Habana Libre verfolgte uns ein Lada. Wir hielten vor dem Hotel. Mittlerweile war es 23.50 Uhr. Es handelte sich um Polizei. Innerhalb von 2 Minuten waren 8 Polizisten um uns herum. Von mir und Bernd wollten die gar nichts wissen. Bernd dachte nur an seinen Geburtstag. Und „seine“ Chicas
wurden von der Polizei ins Auto verfrachtet und mussten die Nacht im Gefängnis verbringen . Sonia hatte Ihren Reisepass dabei und sie durfte bei uns bleiben. Die Chicas sind ganz ruhig geblieben und. Sie wussten genau was sie erwartet. Ich gratuliere Bernd also auf der Straße vor dem Habanna Libre inmitten von 8 Polizisten zum Geburtstag, während Sonia versucht die Polizisten zu überzeugen, die Chicas nicht einzusperren. Vergeblich, also sind wir um 00.05 alleine in die Disco.
Kaum an der Tür vom Hotel angekommen, so um 00.06 wird Bernd von der nächsten Chica angequatscht. Ziemlich schwarz und nicht so sein Fall, obwohl die Figur stimmt.
Sie fragt ihn, ob er den Eintritt für sie bezahlt . Mich quatscht keine an, weil Sonia mit mir Hand in Hand zur Kasse geht. Bernd kannte die Eintrittspreise nicht und willigte ein. Ich zahle also jeweils 10 CUC für mich und Sonia und Bernd jeweils 10 CUC für sich und die Chica. Die war aber um 00.07 schon wieder verschwunden und tauchte nicht mehr auf. Chicas dürfen nicht in die Hotelzimmer allerdings in Begleitung wohl in die Hoteldisko. Ich vermute sie ist trotzdem gleich zu einem anderen aufs Zimmer gegangen. Jedenfalls wir haben sie seit 00.07 nicht mehr gesehen.
Drinnen spielte eine auf Kuba mäßig bekannte Reggaeton Band. Und der Laden platz aus allen Nähten, so dass an einzelne Bier-Bestellungen nicht zu denken ist. Wir kämpfen und zur Theke durch und bestellen eine Flasche Havanna Club mit 4 Dosen Tukola für 35,-- CUC und können endlich anstoßen auf seinen Geburtstag. Während dem Weg in Richtung Theke ist Sonia für 2 Minuten so ca. 2-3 Meter hinter mir. In dieser Zeit, streicheln mir vor den Augen von Sonia hintereinander 3 verschiedene Chicas mit dem Zeigefinger an meiner Seite entlang und fragen mich ob ich „Begleitung“ wünsche. Ich verneine und verweise auf meine Begleitung mit den Worten „Yo tengo una enamorada“ (Ich habe eine Freundin). Das hat die nicht gestört. Die eine Chica meinte dann zu mir Sinngemäß, dass meine Freundin hässlich sei und sie (die Chica) es mir wesentlich besser besorgen könnte. Sonia blieb erstaunlich ruhig und hat keine Szene gemacht und erklärte mir, es wäre wohl sinnvoller ich würde den Chicas sagen, sie sei meine Ehefrau. Dann hätten die Chicas mehr Respekt. Gesagt, getan und es hat sich wohl schnell rumgesprochen, dass ich in Begleitung meiner „Ehefrau“ bin.

Bernd war aber immer noch ohne Begleitung. Seine blonde Favoritin saß wahrscheinlich schon in Varadero, die Chicas von der Tankstelle (ich hatte sie schon ganz vergessen) saßen im Gefängnis, die schwarze Chica von 00.06 Uhr in einem Hotelzimmer. Das Bernd alleine war, war nicht zu übersehen. So bis 01.00 Uhr wurde er von ca. 20 Chicas angesprochen, bis er sich dann endlich für eine nach seinem Geschmack entschieden hatte. Schwarz, super schlank, ca. 46 Kilo leicht, Haare bis zum Po, den ersten Knopf der knallengen, weißen Jeans offen, so dass man den Ansatz vom Slip sehen konnte. Sie tanzt den üblichen „Arschwackel“ Tanz und rückt ihm immer näher rücklings auf die Pelle. Einer meiner besten Freunde und echter Musik Spezial sagt immer: Wenn in Brasilien oder Cuba eine Mülltonne umkippt, dann fangen die Chicas schon an zu tanzen, weil sie meinen das ist Musik. Na jedenfalls ist Bernd endlich zufrieden... und strahlt vor Glück an seinem 44sten Geburtstag mit einer 21 jährigen schwarzen Chica im Habana Libre. Wir killen zu dritt die Flalsche Rum, Sonia sollte ja unseren Wagen fahren. Gegen 04.00 Uhr werden Sonia und ich müde und Bernd wird langsam echt scharf. Sie will 100,-- CUC, aber nicht mit uns nach Guanabo fahren, sondern möchte dass Bernd mit Ihr in Havanna bleibt. Man wird sich über den Preis nicht einig und sie hat Angst im Auto von der Polizei aufgegriffen zu werden. Sie gibt Bernd Ihre Telefonnummer und wir fahren also ohne sie in unserem Daihatsu nach Guanabo. Ich sitze mit ihr vorne und helfe Ihr den Weg zu finden. Bernd sitzt müde hinten und schläft ein. Zum Glück hat er sich nicht geärgert.


Freitag, 12.09.2008: Havanna, Varadero

Geschafft von der Reise und der ersten Nacht in Havanna haben wir erst einmal ausgeschlafen. Sonia geht zum Bäcker und zum Supermarkt und kauft uns ein Frühstück. Leider kann man die undefinierbare Pappe nicht als Brötchen bezeichnen. Käse und Butter gab es auch nicht. Wegen Ike und dem Stromausfall konnten ja keine Nahrungsmittel gekühlt werden. Wenigstens gab es Eier. Nach dem Frühstück haben wir einen Ausflug in die Provinz Mantanzas unternommen.

Zuerst haben wir die Provinzhauptstadt mit dem gleichen Namen besucht. Diese Hafenstadt liegt rund 100 km östlich von Havanna. Sie ist um die gleichnamige Bucht entstanden und liegt zwischen den Flüssen Río Yumurí und Río San Juán. Der Charme der Stadt liegt in seiner verträumten Ruhe, die die Altstadt zwischen den Flussbrücken ausstrahlt. Wir haben dort nur den Parque Libertad mit dem Plaza Libertad besichtigt und auf diesem Zentralen Platz eine kurze Pause im Café de la Cultura gemacht.

 


Weiter ging die Fahrt zum Strand in Varadero. Varadero ist der berühmteste Strand auf Cuba und liegt 140 Kilometer östlich von Havanna. Er ist 20 Kilometer lang und hat den feinsten, weißen Sand mit dem kristallklarsten Wasser. Ein bisschen faulenzen und gemütlich Essen. Nach 2 Stunden am Strand ging die Fahrt zurück nach Guanabo.



 
Varadero Guanabo


In Gunabo startet das übliche Programm von Bernd. Duschen, umziehen und möglichst schnell zurück in das Nachtleben von Havanna. Die zweite Nacht in Havanna begann in der Schlange vor dem Salon Rojo vom Hotel Capri. Bernd hat ein echt cooles schwarzes Hemd an. Allerdings ohne Ärmel. Das gefällt zwar den Chicas in der Schlange aber leider nicht dem Türsteher am Eingang. Ein Taxi Fahrer bietet Bernd an, sein T-Shirt für 10 CUC mit ihm zu tauschen, aber Bernd hat nun wirklich kein Interesse sein Lieblings Muskel Hemd aus Thailand gegen ein verschwitztes T-Shirt von einem Taxifahrer einzutauschen. Also gehen wir wieder in das Havana Libre. Diesmal ist es nicht so gefüllt wie am Abend vorher. Es legt ein DJ auf. Es muss wohl an der Band am Vorabend gelegen haben, dass es so voll war.
Prima, wir kommen schneller an die Getränke und begnügen uns diesmal mit Bucanero Bier. Das Bier hat 6,9% Alkohol und ich bin schon nach 3 Dosen breiter als am Vorabend von einer 1/3 Flasche Havanna Club. Wenn ich einmal breit bin, dann werde ich zum Tänzer. Meine Solo Parkett Einlagen bringen die Chicas zum Staunen. Mehrmals wird mir bestätig, dass noch kaum ein Tourist gesehen wurde, der das Salsa, Bachata und Reggaeton Zeug so beherrscht wie ich. Bernd ist der Muskelmensch und ich bin halt eher der Tänzer.

Dieses Mal entscheidet sich Bernd gleich für die 2. Chica, die ihn anspricht und verbringt den ganzen Abend mit Ihr. Sonia und ich tanzen und tanzen und tanzen. Wenn ich schon wegen der Hitze nicht joggen kann, na dann schwitze ich wenigstens beim Tanzen. Während Sonia auf Toilette ging, sprach mich gleich wieder eine Chica an. Ich spreche mein Portugiesisch mittlerweile einfach mit einem Spanischen Akzent aus. Die Chicas scheinen mich zu verstehen. Aber vielleicht ist Bocanero Bier ja auch so ein Art „Babelfisch“. Sonia kommt zurück und schaut sich das Spiel an. Es amüsiert sie anscheinend, dass ich die Chicas alle abblitzen lasse. So nach 5 Minuten stellt sie sich zu uns und möchte sich an dem Gespräch beteiligen. In diesem Moment wird Sonia von einem schwarzen, kräftigen Cubaner angesprochen. Sie solle sich nicht in das Gespräch einmischen. Sonia teilt ihm mit, dass ich Ihr Mann sei sie keine Professionelle Konkurrentin ist. Es handelte sich wohl um einen der „
Schleppern “ von den Chicas. Ich muss zugeben, dass mir an diesem Abend auch eine Chica gefallen hat. Sie dreht Ihre Runden und kommt ständig in der Nähe von Sonia und mir vorbei und erwidert meine Blicke. Sonia ist wirklich cool und findet das anscheinend lustig. Irgend so ein Latino Lover bemerkt mein Interesse an der Chica. Er spricht Sonia an: „Na Ihr scheint ja ziemlich locker zu sein. Was hältst Du davon, wenn wir zu 4 losziehen? Dein Freund bekommt die Chica und du kannst Dich mit mir vergnügen.“ Sonia erklärt dem Latino Lover, dass sie kein Geld für Sex bezahlen will. Das sei kein Problem, er würde es Ihr auch umsonst besorgen denn sie sei ja schließlich eine Landsfrau. Allerdings der Touri (also ich) muss für Chica den normalen Preis zahlen von 100 CUC bezahlen. Wahrscheinlich hätten die beiden sich hinterher die Kohle geteilt.

Ich habe von alledem nichts mitbekommen, weil Sonia mir die Story erst auf der Rückfahrt erzählt hat. Wäre ich alleine auf Cuba gewesen oder mir wäre die Chica in Deutschland alleine über den Weg gelaufen, muss ich zugeben, das die Versuchung groß gewesen wäre. Sie war ca. 168 groß. Ich schätzte Sie allerdings auf höchstens 23 Jahre, was mir definitiv zu jung ist. Sie hatte einen graziösen Gang und einen leicht arroganten Blick. Ihre Blond bis hellbraunen Haare waren hoch gesteckt, was Ihr super hübsches Gesicht noch besser zur Geltung brachte. Sie trug eine einfache, knallenge Jeans mit hochhackigen nicht sehr auffälligen Schuhen. Ihre Figur ist einfach umwerfend. Genau mein Geschmack! Ihre perfekt geformten Türmchen wurden durch so einen speziellen Push Up BH äußerst einladend zur Geltung gebracht. Sie war die einzige Chica mit einer Stilvollen Ausstrahlung. Sie hat sich nach meinen Beobachtungen auch an niemanden herangemacht, sondern drehte Ihre Runden und wartete darauf, angesprochen zu werden. Meine Blicke sind Ihr jedenfalls nicht entgangen. Sonia hat sie dann doch tatsächlich für mich angesprochen und sie gefragt, ob sie mit mir tanzen möchte. Ihre coole Antwort darauf lautete: „Für das Tanzen werde ich nicht bezahlt, was habe ich also davon?“

In der Zwischenzeit ist sich Bernd mit seiner Chica einig geworden. Sie hat keine Angst mit uns nach Guanabo zu fahren und der Preis wurde auf 70,-- CUC ausgehandelt. Wir fahren zurück und Sonia und ich sitzen vorne. Hinten wurde Bernd schon heiß gemacht. Zu Hause angekommen verschwinden Sonia und ich in unserem Zimmer. Vorsorglich schließen wir unsere Tür ab. Unsere Vermieter haben übrigens mitbekommen, dass Bernd eine Chica abgeschleppt hatte und haben Sonia am nächsten Morgen erzählt, das sie ab unserer Ankunft um ca. 04.00 Uhr in der Nacht bis um 09.00 Uhr als die Chica das Haus verließ, nicht mehr schlafen konnten. Sie hatten Angst bestohlen zu werden. Bernd hat Sonia und mir dann beim Frühstück die Details erzählt. Zuerst wollte sie doch noch mehr Geld als 70,-- CUC haben. Bernd meinte er hätte nicht mehr. Sie hatte in der Disco allerdings gesehen, dass er sich noch mehr Geld in die Brustasche von seinem Hemd gesteckt hatte. Denen entgeht wirklich nichts. Er ist aber konsequent geblieben und hat ihr nicht mehr als 70,-- CUC gegeben. Sie war davon nicht sonderlich begeistert und darin hat sich Ihr Service auch widergespiegelt. Sie blieb eiskalt, völlig unerotisch und ohne Zärtlichkeit. Er durfte sie nicht küssen. Oralsex oder sonstiges Vorspiel war völlig unerwünscht von Ihrer Seite. Nach 3 Minuten hat sie sich schon auf ihn gesetzt. Weitere Stellungen hat sie nicht zugelassen. Nach weiteren 5 Minuten meinte Sie, es würde Ihr weh tun, weil sein Schwanz zu groß sei (so ein Blödsinn). Unterm Strich hat er für die 70,-- CUC nur einen emotionslosen, schlechten Handjob bekommen. Na wenigstens mit großem Finale. Sie hätte sich beim Sex locker auch die Fingernägel lackieren können.


Samstag, 13.09.2008: Havanna

Am nächsten Morgen hat Bernd dann einen zweiten Versuch unternommen. Dazu kam es aber nicht, weil die Chica sich sofort nachdem sie wach wurde angezogen hat. Dann ging de Stress erst richtig los. Sie bedränge ihn nach mehr Geld. Bernd lässt sich darauf natürlich nicht ein. Jetzt will sie Geschenke wie Seife, Duschgel oder Parfüm haben und fängt ungeniert an seine Schubladen und Schränke zu durchwühlen. Das hätte sie lieber nicht tun sollen. Daraufhin ist Bernd nun echt sauer geworden und hat die Chica rausgeworfen. Sonia ist von dem Stress wach geworden und hat wohl noch eine Stunde mit ihr geredet, bis sie den Bus zurück nach Havanna genommen hat. Ich habe von alledem nichts mitbekommen. Das Bocanero Bier hat dafür gesorgt, dass ich bis 11.00 Uhr geschlafen habe. Die Stories beim Frühstück haben mich noch belustigt, aber was Sonia mit der Chica gequatscht hat, interessierte mich nicht weiter. Bernd muss der Chica wohl überhaupt nicht gefallen haben. Wie dem auch sei, ich habe mich weder in Brasilien noch auf Kuba jemals auf eine Professionelle eingelassen sondern habe meine Begleitungen immer bei anderen Gelegenheiten kennengelernt und mehrere Tage oder Wochen mit der Gleichen verbracht. Den Tag haben wir am Strand von Guanabo verbracht. Der Strand befand sich mittlerweile in einem einigermaßen ordentlichen Zustand und für 3 CUC gab es auch Strandliegen. Über den Tag gibt es sonst nichts weiter zu berichten. Am Strand rumhängen ist überall auf der Welt gleich.

Gegen 17.00 Uhr sind wir nach Havanna City gefahren. Wir haben Sonias Vater abgeholt. Das Haus ist typische für die Altbauten Havanna. Ein tolles Gebäude aber leider völlig heruntergekommen. Die Tür wurde
mit einem Kabel vom Vater geöffnet, das die Klinke der Haustür mit der Wohnungstür in der ersten Etage verband . Ihr Vater wohnt mit seiner Mutter, also Sonias Oma in der zwei Zimmer Wohnung oben Rechts. Die Oma ist über 90 Jahre alt und vielleicht 145 groß. Sonia ist mit 158 auch sehr klein. Der Vater ist 65 und auch schon Rentner. Er wiegt ca. 130 Kilo bei einer Größe von 165 und ihm fehlen die Hälfte seine Schneidezähne. Ich dachte immer im Sozialismus werden die Menschen mit den Grundbedürfnissen Nahrung, Kleidung und Wohnung ausreichend versorgt und auch die medizinische Versorgung soll sehr gut sein. Was die Nahrung angeht trifft das anscheinend zu. Über 30 sind so ziemlich alle Kubaner übergewichtig. Wobei ich das Essen auf Kuba als sehr schlecht und eintönig empfunden habe. Die Preise der Kleidung kann ich nicht beurteilen, jedenfalls sind die Kubaner sehr ordentlich aber einfach angezogen. Die meisten Kubaner sind sehr gepflegt. Das Gesundheitssystem scheint allerdings zu leiden, habe ich gedacht, als ich genauer auf die Zähne vieler älteren Kubaner geachtet habe. Wie ich später erfahren sollte kommen auf 1.000 Einwohner zwar 187 Ärzte, was eine enorme Quote ist, aber auf 20.000 Einwohner kommt nur ca. 1 Zahnarzt und Zahnersatz ist auf Kuba für die meisten unbezahlbar. Die Wohnungen sind für uns Mitteleuropäer einfach nicht bewohnbar. Die Mieten sind zwar extrem billig und es gibt auch keine Obdachlosen aber die hygienischen Verhältnisse besonders der Bäder und Küchen sind erschreckend.

 


Seit der Öffnung des Tourismus Anfang der 90’er Jahre (Castro war zu diesem Schritt aufgrund industrieller und landwirtschaftlicher Probleme gezwungen um an Divisen zu kommen) haben sich auf Kuba auch verschiedene Einkommensschichten entwickelt. Früher hat ein Landarbeiter oder Fabrikarbeiter annährend das gleiche verdient wie ein Arzt oder andere Akademiker. Heute verdienen die Putzfrauen und andere Hotelangestellte sowie Taxifahrer
mehr Geld als die Akademiker . Ihr Vater wohnt mit seiner Mutter, also Sonias Oma in der zwei . Überall wo Touristen sind wird Geld verdient. Am besten geht es den Vermietern von Casa Particulars. Diese müssen zwar 250,-- CUC im Monat pro Zimmer Steuern bezahlen, aber in der Regel kostet ein Zimmer pro Nacht 25,-- CUC.

Vor allen Dingen hat der CUC Dollar den 20-fachen Wert wie ein einfacher Cubanischer Peso. Das meiste Geld auf Kuba haben die Familien mit angehörigen von Exil Kubanern in den U.S.A (meist in
Miami ansässig) und die Familien, deren Chicas einen Europäer oder anderen Ausländer geheiratet haben. Alleine in Deutschland leben ca. 25.000 Kubanische Frauen mit Deutschen Ehemännern. Die meisten schicken Ihren Familien Geld. Sonia hat jahrelang Ihre Mutter finanziell mit 300,-- Euro im Monat unterstützt. Ihr Vater hat wieder geheiratet, ist zum 2. Mal geschieden und lebt in Havanna, wie erwähnt mit seiner Mutter. Sonias Mutter lebte in Holguin. Der Vater möchte von seiner Tochter aus Stolz keine finanzielle Unterstützung. Dementsprechend sieht die Wohnung auch aus. Nebenan wohnt ein 25 jähriger Kubaner mit seiner Frau und einem Kind. Die Wohnung ist riesig und in einem sehr guten Zustand. Die ganze Familie lebt in Miami. Er selbst arbeitet nicht und hat auch die Ausreise in die U.S.A. beantragt. 20.000 Kubanern im Jahr wird die Ausreise bewilligt.

Von seiner Wohnung führt eine Metall Wendeltreppe auf das Dach des Hauses. Von hier haben wir eine gute Sicht über den Stadtteil Vedado in Havanna. Sonias Vater wohnt ganz in -er Nähe von der Avenida de Presidentes in Vedado. Wir sind dann mit ihrem Vater in die Altstadt von Havanna gefahren und haben in einem Restaurant zusammen gegessen. Es spielte eine Salsa Life Band. Gegen 19.00 Uhr fuhren wir zurück nach Guanabo. Eigentlich waren Sonia und ich ja Fix und Foxi. Aber Bernd wollte unseren letzten Abend in Havanna natürlich in einem Club verbringen. Er war von der Nummer in der Nacht zuvor anscheinend noch nicht kuriert. Wir haben uns dann hingelegt um 2 Stunden zu schlafen. Heimlich habe ich in Bernd Zimmer das Licht ausgemacht und gehofft, dass er bis Sonntag durchschläft. Daraus wurde nichts. Seine innere „ich muss im Urlaub in jeder Nacht auf eine Party“ Uhr hat ihn geweckt und kurz darauf klopfte es an meiner Tür. Sonia war extrem müde und übel gelaunt. Ich raffte mich auf und ging duschen. Da ich mich nicht der Versuchung aussetzen wollte alleine mit Bernd auszugehen, habe ich den Fehler gemacht, und Sonia noch einmal geweckt. Widerwillig hat sie geduscht und sich angezogen. Ich muss dazu sagen, dass ich mit Sonia noch nie mehr als 2 Nächte hintereinander verbracht habe (sie ist ja schließlich verheiratet) und ich daher noch nie mit Ihren Launen konfrontiert wurde. In Deutschland geht sie unter der Woche in der Regel um 21.00 schlafen. Nur die Wochenenden mit mir sind manchmal etwas ausschweifender, weil ich auch keiner Party aus dem Weg gehe. Aber 3 Nächte hintereinander in Havanna ausgehen, das war für Sonia zu viel.

Es war mittlerweile 00.30 und ich schlug vor in Guanabo auszugehen. Der bereits erwähnte Club auf dem Hügel war immer noch geschlossen. Vor einem anderen Club unten in Guanabo stand eine Traube von vielleicht 18-20 Jährigen Cubaner. Der Club war nur 300 Meter von unserem Apartment entfernt und ich dachte mir, wir gehen da mal rein. Es kostete auch nur 5 CUC Eintritt. Ich bestelle uns Bier und Sonia war schon total stinkig. Der Laden war aber auch übel und Sonia war die einzige Frau über 30 und wir die einzigen Männer über 40. Normal, denn in Guanabo (und wahrscheinlich auch überall sonst in Kuba) sind viele Männer über 40 nicht nur Familienväter, sondern teilweise schon Großväter und hängen nicht in Discotheken rum. Nach 5 Minuten fing Sonia an zu zetern, weshalb wir sie für so eine Scheiße geweckt hätten. Sie kriegte sich gar nicht mehr ein. Wir also wieder raus. Bernd schlug vor dass wir nun doch noch nach Havanna fahren sollten. Sonia gefiel auch dieser Vorschlag nicht. Wir saßen bereits im Auto und sie stand auf der Straße und rastete völlig aus. „Fahrt doch alleine nach Havanna“. „Such Dir doch ne’ Chica in Havanna“ und so weiter und so fort. Ich bin ruhig geblieben obwohl ich von dem ganzen Theater so langsam auch schon ziemlich angepisst war und wollte gerade mit Bernd losfahren.

Wenn eine
Latina auf 180 hochfährt sagt mir meine Erfahrung: Ruhig bleiben, nicht reagieren, nicht beachten! Sie kriegt sich schon wieder ein. Jedenfalls hat sie es sich im letzten Moment anders überlegt und steigt nun doch noch in das Auto ein. Vielleicht hatte sie die Befürchtung, dass ich die graziöse 23 Jährige vom Vorabend wieder treffen könnte? Keine Ahnung. Ich habe auch nicht danach gefragt. Es interessiert mich nicht, worüber sich eine Latina aufregt. Bei einer Latina muss man immer ein Macho sein und sagen wo es lang geht. Laufe ihr nie hinterher und mache nie den Fehler in Liebeskummer zu geraten oder sogar wegen ihr zu heulen. Sie wird es Dir mit Respekt losigkeit danken und sie hat sich für lange Zeit bei den Eiern gepackt. Ich wollte, dass sie mitfährt, musste aber so tun als sei es mir egal, ob sie tatsächlich mitfährt. Nur das bewegt sie dazu wirklich wieder einzusteigen. Bitte eine Latina nie um etwas, sondern zeige Ihr wo es lang geht.

Ungefähr 15 Minuten später hatte sie sich beruhigt und sich bei mir für ihr Benehmen entschuldigt. Sie sei es nicht gewohnt, dass man sie in der Nacht aufweckt usw. In Havanna angekommen wollten wir endlich in den Salon Rojo vom Capri Hotel. Es gab ein Konzert von Haila, einer bekannten Kubanischen Popsängerin. Die Schlange war wie immer lang. Diesmal hatte Bernd vorsorglich ein langärmeliges Hemd angezogen und wir kamen problemlos an den Türstehern vorbei. Etwas kommt mir allerdings seltsam vor im Salon Rojo.
Warum stehen 7 Schränke vor der Tür? Die durchschnittliche Größe der Typen lag bei 1,90 Metern und keiner wog unter 100 Kilo. Ich dachte Kuba sei ungefährlich? Warum haben die sogar einen Drogenhund vor der Tür? Für den Besitz von nur kleinen Mengen für den Eigenbedarf bekommt man auf Kuba 5 Jahre Gefängnis. Im Vergleich mit Kubanischen Gefängnissen sind Deutsche Gefängnisse Naherholungsheime. Wer sollte also Drogen dabei haben oder sogar damit handeln wollen? Außerdem haben die Türsteher noch Metalldetektoren um bei den Gästen den Besitz von Messern oder Schusswaffen festzustellen. Welcher Zivilist auf Kuba kommt denn an Schusswaffen?

Die Zeremonie vor dem Salon Rojo zieht sich ewig hin. Es gibt 2 Schlangen. Die längere wo so Leute wie wir rumhängen, die sich nicht auskennen und die andere Schlange mit irgendwelchen anscheinend wichtigen Typen, die mit 2-4 Chicas im Schlepptau ohne zu warten rein dürfen. Ja bin ich den hier vor dem P1 in München? So ganz habe ich Kuba noch nicht verstanden. Es kommen immer maximal 4 Personen gleichzeitig rein. Die Kubanerinnen müssen an der Kasse ihre Pässe vorzeigen. Wir Touristen brauchten das nicht. Der Eintritt betrug 15,-- CUC. Das sind umgerechnet 300 Kubanische Pesos. Wer kann denn auf Kuba mehr als einen Monatslohn für den Eintritt in einer Disko ausgeben? Irgendwas mit dem Sozialismus auf Kuba scheint mir doch ziemlich faul zu sein.

Außer mir und Bernd habe ich keine Europäer bei dem Konzert gesehen. Die einzige Gruppe von Ausländern waren ca. 10 Mexikaner. Ein Kellner weißt uns einen Tisch zu. Wir nehmen vorsorglich einen Tisch für 4 Personen. Es wird ja wohl nicht lange dauern, bis Bernd wieder eine Chica am Start hat. Eine Flasche Havanna Club und 4 Dosen Coca Cola kosten 35,-- CUC. Also für uns 3 Personen 45,-- CUC Eintritt und noch mal 35,-- CUC für die Flasche plus weitere Softdrinks. Ein Abend in Salon Rojo kostet also umgerechnet schlappe 100,-- Euro. Da kann man in Deutschland auch schon ganz gut für feiern. Es gibt keine Tanzfläche. Dafür aber eine riesige Bühne wo schon ein Vorprogramm das Publikum einheizt. Wir bekommen einen guten Tisch mit Blick in Richtung Bühne. Die Damen müssen ihre Handtaschen an der Garderobe abgeben. Entlang der gesamten linken Seite des Clubs zieht sich eine Theke. Ich schätze die Theke ist ca. 30 Meter lang. An den Tischen sitzen meist Pärchen. In der Regel 4 bis 8 Personen. Für Kubanische Verhältnisse sehr schick angezogen. An der Theke sitzen oder stehen zu 70% nur Chicas. Was da wie eine Perlenkette nebeneinander gereiht rum stand sprengt alle meine und besonders Bernd Erwartungen.

Wenn ich früher aus Brasilien zurück nach Deutschland gekommen bin verfiel ich jedes Mal in Tiefste
Depressionen aufgrund der Frauen in Deutschland. Kuba bewirkt das gleiche bei mir. Warum wiegen die Frauen in Deutschland im Durchschnitt 10 Kilo mehr als Latinas? Warum schneiden die Frauen in Deutschland sich spätestens nach dem 1. Kind die Haare kurz? Warum tragen die Deutschen Frauen Jeanshosen, die Ihre eh schon unförmige Figur noch schlechter zur Geltung bringen? Wer einmal in den Genuss einer Latina gekommen ist und es hat ihm gefallen, ist Ihnen unheilbar verfallen! Die knappen Röcke, die hochhackigen Schuhe und Stiefel, die knappen Oberteile, die wallenden Haare, der dunkle Teint, die geheimnisvollen Augen, die Figuren, der erotische Gang. Latinas sind einfach unglaublich geil. Erst recht die im Salon Rojo in Havanna. Und wenn die erst einmal anfangen zu tanzen, dann kann eine Deutsche Frau einpacken.

Ihr seht schon, aus mir spricht ein echter Latina-Fan. Na gut, es geht im Leben auch nicht nur um Sexappeal. Aber ich will hier jetzt nicht philosophisch werden, wir sind ja schließlich zum feiern hier. Nach ca. 10 Minuten fangen die Chicas von der Bar an, sich bei Bernd vorzustellen. Etwas gesitteter als im Habanna Libre. Er wird höflich gefragt, ob man sich zu ihm setzen dürfe. Meistens kamen sie zu zweit daher in der Hoffnung von mir eingeladen zu werden. Als Sonia mal kurz zur Bühne ging um Haila zu fotografieren, kamen 2 Chicas an unseren Tisch, wovon eine wieder genau dem Beuteschema von Bernd entsprach. Sonia kam zurück und schaute etwas irritiert. Ich fragte Bernd, ob die Chica ihm gefällt (das war eigentlich unnötig) und bot Ihr einen Stuhl an. Die anderen habe ich dann gleich wieder weg geschickt. Sonia war vielleicht noch 3 Meter entfernt. Sonia hat sich ausgiebig mit der Chica unterhalten und wollte Ihr Bernd schmackhaft machen. Sie war das ewige baggern und die Clubs wohl Leid und bemühte sich um eine ständige Begleiterin für Bernd. So nach einer Stunde erzählte Sonia Ihr dann, dass wir alle am nächsten Tag für eine Woche mit dem Bus nach Holguin fahren und lud sie ein, uns doch zu begleiten. Das war ihr Stichwort, sich höflich zu entschuldigen. Sie kam nicht an unseren Tisch zurück. Eine Professionelle aus Havanna fährt doch nicht in die Provinz nach Holguin. Erst recht nicht mit dem Bus. Die Fahrt dauert 12 Stunden. Für diese Mädchen ist Havanna die einzige Stadt. Hier brauchen sie nicht zu arbeiten, können sich jede Nacht amüsieren und verdienen mit nur einem Kunden im Monat das Vielfache eines Kubanischen Akademikers. Das Konzert war wirklich gut. Mir hat es jedenfalls gefallen. Die Rückfahrt nach Guanabo war allerdings dieses Mal sehr ermüdend. Ich war echt platt.


Sonntag, 14.09.2008:

 
im Zentrum von Havanna Blick auf Plaza Central


Endlich mal ausschlafen! Wir sind so gegen 12 Uhr Mittags aufgestanden. Wir haben in Ruhe gefrühstückt und unsere Koffer gepackt. Anschließend haben wir den Leihwagen abgegeben. Mit einem Taxi sind wir von Guanabo nach Havanna gefahren und haben die Koffer bei Sonias Vater abgestellt. Wir haben uns in ein Restaurant am Paseo del Prado gesetzt und endlich mal was Vernünftiges gegessen. Die Preise waren aber auch gesalzen. Unser Bus nach Holguin ging um 20.50 mit Viazul. Die Busfahrt kostet 44,-- CUC pro Person. Für über 800 Kilometer Strecke ist das ein annehmbarer Preis. Ich fand die Busreisen schon in Brasilien immer sehr angenehm. Man muss sich um nichts kümmern und die Straßenverhältnisse auf Kuba sind genauso schlecht wie in Brasilien. Die Strecke selbst zu fahren ist zu anstrengend und gefährlich, besonders bei Nacht. Am nächsten Morgen um 09.00 Uhr kamen wir in Holguin an.


Montag, 15.09.2008: Holguien

In Holguin wohnt die gesamte Verwandtschaft von Sonias Mutter. Wir sind um 09.00 Uhr Morgens dort angekommen. Sonias Patentante hat uns ein Casa Particular organisiert. Dieses Mal hatten wir ein ganzes Haus im hinteren Hof der Vermieterin. Vorne war das Haupthaus und im Hof war das Haus für die Gäste. Küche, Wohnzimmer und Esszimmer unten. Ein Schlafzimmer und Badezimmer für mich und Sonia in der 1. Etage und ein Schlafzimmer und Badezimmer für Bernd in der 2. Etage. Die Vermieterin gab uns einen Schlüssel für den Eingang von der anderen Straßenseite. Dort gibt es eine Einfahrt zum Innenhof. Wir hatten uns wieder einen Leihwagen gemietet. Leider haben wir erst in Holguin gemerkt, dass der Vermieter in Guanabo uns nicht unsere Touristenkarten zurückgegeben hatte. Wir dachten die Karten sind immer noch in unserem Pass.

In Kuba bekommt man am Flughafen im Gegensatz zu anderen Ländern keinen Einreisestempel in den Pass. Dafür gibt es die Touristenkarte. Das Einreisevisum für Touristen wir per Stempel in der Touristenkarte vermerkt. Die Ausreise funktioniert genauso. Das finde ich sehr nett vom alten Fidel. Ich fände es ja cool einen Stempel in meinem Pass von Kuba zu haben, aber in den U.S.A. würde mir dadurch die Einreise verweigert. Dabei habe ich schon ein Visum für Russland und ein Visum für Serbien in meinem Pass. Auch nicht gerade befreundete Nationen der Amis. Jedenfalls ohne Touristenkarte kann die Vermieterin uns nicht in Holguin anmelden.

Wir haben also Sonias Vater in Havanna angerufen. Er hat unsere Touristenkarten in Guanabo abgeholt. Danach hat er sie in einen Umschlag gesteckt und den Umschlag mit dem nächsten Viasul Bus von Havanna nach Holguin uns hinterher geschickt. Das hat tatsächlich funktioniert. Unglaublich. Sonia hat am nächsten Tag die Touristenkarten am Busbahnhof abgeholt und der Vermieterin gegeben. Die Vermieterin hatte noch ein paar spezielle Anweisungen an uns. Bernd darf Chicas nur auf sein Zimmer nehmen, wenn diese Ihren Personalausweis bei der Vermieterin abgeben. Das sollte später noch zu unangenehmen Diskussionen führen. Außerdem hat sie uns erst mal zur Meldestelle geschickt. Die beiden Polizistinnen waren freundlich und meinten nach einen kurzen Blick in unsere Pässe, es sei kein Problem, wenn wir die Touristenkarten am nächsten Tage abgeben würden.

Unsere nächste Station war wieder Cubacar. Wir wollten dort unseren Leihwagen (Suzuki Jimi) abholen.
Denkste , diesmal war der Cubarcar Stand zwar vor dem uns vorher genannten Hotel Perni, aber einen Suzuki Jimi gab es wieder nicht. Angeblich sei das ein Wagen aus einer anderen Preisklasse und diese Model ist in Holguin selbst dann nicht zu bekommen. Dafür haben wir wieder einen Japanischen Kleinwagen bekommen. Dieses Mal sogar OHNE Servolenkung. Es war der Einzige Wagen, der überhaupt zur Verfügung stand. Zum Glück gab es wieder Strom und wir mussten nicht wegen der Kreditkarte oder Barzahlung diskutieren.

Holguin liegt im landesinneren der gleichnamigen Provinz Holguin. An der Küste im Norden der Provinz lassen die Felsformationen einige schöne, schattige Sandstrände frei. Diese Strände um „Guardalavaca“ sollten auch unser Ziel sein. Die Stadt Holguin hat 300.000 Einwohner. Die meisten Touristen sehen von der Stadt nur den Flughafen und fahren direkt weiter zu den Hotelanlagen nach Guardalavaca.

 
Zentrum von Holguien Verwüstung durch "Ike"


Gleich nachdem wir den Leihwagen bekommen haben, sind wir auch Richtung Guardalavaca gedüst. Bis dort sind es ca. 70 Kilometer in nordöstlicher Richtung und die Fahrt dauert ca. 1 Stunde und 10 Minuten. Die Landstraße war in einem ordentlichen Zustand. Trotzdem gab es mehrere extrem tiefe Schlaglöcher. Nachts ist die Strecke für Autofahrer, die sich nicht auskennen nun doch nicht befahrbar. Das liegt aber auch an unserem alten Freund, dem Urlaubsvermieser Ike. Bäume gibt es kaum noch am Straßenrand. Nach ca. 30 Kilometern in Richtung Küste waren auch sämtliche Strommasten umgeknickt. Wie wir später erfahren sollten hat 70% der Küstenregion keinen Strom.

Guardalavaca ist ein reiner Touristenort und liegt in einer feinsandigen Bucht umrahmt von malerischen und bewachsenen Mandelbäumen und Strandwein. Deshalb ist der Strand auch über weite Teile schattig. Von wegen… Das war bestimmt mal so. Ike war der stärkste Hurricane, der in den letzten 50 Jahren über Holguin hinweg gefegt ist. Mandelbäume gibt es nicht mehr. Komplett wegrasiert. Es gibt 6 luxuriöse Hotelanlagen bzw. gab, denn Ike hat in seiner Zerstörungswut sämtliche Dächer abgedeckt und Bäume in die Fensterscheiben gehauen. Überall lag Gerümpel, umgefallen Bäume und Dreck. Tja, jetzt waren wir nun mal da, also die Badehose an und an den Strand. Touristen?
Fehlanzeige . Alle 6 Hotels waren verständlicherweise geschlossen. Ein Hotel hatte noch einen Verkaufstand am Strand für Getränke offen wegen der vielen Arbeiter, die den Schutt wegräumen sollen.

Als wir um 14.30 dort ankamen, haben die Arbeiter aber alle schon bis zu den Knien im Meer gestanden und ließen eine Flasche Rum kreisen. Strandliegen und Sonnenschirme gab es natürlich nicht mehr. Wir fanden dann einige herum liegende Plastikstühle einer zerstörten Bar und haben diese dann mit an den Strand genommen. Bernd hat dann doch tatsächlich an der Bar Bier bestellt, obwohl es natürlich Pisswarm war. Wie soll ein Kühlschrank auch ohne Strom funktionieren. Sonia und ich haben so eine Art Sprite bestellt. Das ging warm so einigermaßen. Mineralwasser gab es leider nicht.

Der Sand am Strand ist genauso weiß und fein, wie er in der Karibik laut meiner Vorstellung sein soll und auch das Wasser entsprach genau meinen Erwartungen. Glasklar, warm und türkisfarben. Also alles in allem doch ein spannender Ausflug. Wer will schon Pauschaltourismus. Solange die Arbeiter uns nicht auffordern Ihnen Entwicklungshilfe im Wideraufbau Kubas zu leisten, ist ja alles in Ordnung. Aber die waren ja eh schon breit. Habt Ihr schon mal Havanna Club um 15.00 Mittags in der prallen Sonne pur getrunken? Also das haut echt den stärksten Mann um!

Am Abend in Holguin haben wir uns mit Sonias bester Freundin aus Ihrer Kindheit verabredet. Zuerst gingen wir in eine Bar mit dem Namen „Casa de la Musica“ im Zentrum von Holguin. Was das heißt, verstehe ich ja sogar ohne große Spanisch Kenntnisse. Dort haben wir etwas gegessen und ein paar Bier getrunken.

Am Montag Abend ist dort natürlich nichts los. Es waren vielleicht 7 oder 8 Gäste in der Bar. Darum entschlossen wir uns nach dem Essen die Lokalität zu wechseln. Anschließend gingen wir in einer recht nette, kleine Kubanische Bar im Zentrum von Holguin. Natürlich hatte die Bar eine Bühne und es dauerte auch nicht lange bis eine Salsa Combo aufspielte. Die waren echt Klasse. In Deutschland hätten die jede Salsa Party zum kochen gebracht. Hier war ein bisschen mehr los, vielleicht 20 Gäste. Die Band hatte 9 Musiker. Zeitweise hatte ich den Eindruck auf der Bühne waren mehr Leute als im gesamten Lokal. Wir haben also weiter Bier getrunken und Bernd wurde langsam mürrisch. Schon am ersten Abend in Holguin ging das Gejammer los. „So ein Scheiß’ Provinz Kaff, die Stadt ist ja ein totales Loch, keine alten Kolonialgebäude zu sehen, kaum coole Oldtimer auf den Straßen, die gleichen Assibuden wie in ganz Scheiß’ Brasilien, immer nur Schweinefleisch mit Reis oder Hähnchen mit Reis zu fressen, 70 Kilometer bis zum Strand, keine Touristen, keine Leute (und für ihn noch schlimmer, keine Chicas). Die Stadt ist total tot. Ich will zurück nach Havanna“. Ich war froh, dass ich das erste Mal auf Kuba so gegen 00.30 ins Bett gekommen bin. Eine Party Nacht in Frankfurt, die lange Reise, dann 3 Party Nächte in Havanna mit kaum Schlaf, anschließend die 12 Stunden Busfahrt in der Nacht nach Holguin. Ich habe mich wirklich auf mein Bett gefreut und wollte endlich mal ausschlafen, entspannen, am nächsten Morgen lecker frühstücken, und den nächsten Tag ruhig angehen lassen. Bernd ist dann tatsächlich alleine weiter gezogen. Er hat uns dann am nächsten Tag von seiner Nacht berichtet.


Dienstag, 16.09.2008: Gibara, Holguien

Der Dienstag Morgen begann endlich einmal so, wie ich mir einen Urlaubstag mit Freundin vorstelle. Schön ausschlafen, nach dem wach werden noch ein bisschen „kuscheln“, ausgiebig duschen und sich langsam ohne Stress anziehen. Gegen 11.00 Uhr haben wir im Zentrum an dem großen rechteckig angelegten Platz wo wir auch am schon am vorigen Abend in den beiden Bars waren, ein Straßencafé mit schattigen Sitzgelegenheiten zum Frühstücken gesucht. Lecker Sandwich mit Schinken und Käse gegessen und ich konnte meine Frühstücks Colasucht befriedigen. Ja Ihr habt richtig gehört. Ich trinke Cola zum Frühstück. Wenn auch in Kuba meist nur Tucola. Sonia und Bernd haben natürlich Milchkaffee getrunken. Bernd war angetan von seinem Getränk und erstaunlich gut gelaunt. Sollte die letzte Nacht noch lustig gewesen sein? Ja, war sie wohl.

Das „Casa de la Musica“ hat zwei Eingänge. Wir haben auf dem Dach gesessen als wir dort zum Essen waren. Hintenrum gibt es aber noch einen Eingang zum Erdgeschoß. Und darin ist die größte und angesagteste Disco von Holguin zu finden. Das hätte uns Sonias beste Freundin uns bzw. Bernd am Vorabend auch mal sagen können. Aber woher soll eine alleinerziehende Mutter von 36 Jahren die voll berufstätig ist, so etwas auch wissen. Nicht so schlimm, nicht das das falsch rüber kommt. Ich finde Sonias beste Freundin super sympathisch und in Deutschland wäre sie auch nicht lange Single. Aber in den Latina Ländern auf unserem Globus, gibt es für die Macho Männer ja einfach zu vieles williges, junges Chica „Fleisch“ auf dem Markt und an denen muss man halt nur maximal 2 Stunden rumbaggern, bis was geht.

Zurück zu Bernd und seiner Nachtgeschichte zum Frühstück. Die Disco war VOLL! Und jede Menge Chicas am Start. Bernd hat gleich so einen 21 jährigen Typen kennengelernt, dessen Beruf es zu sein scheint, irgendwelche willigen jungen Chicas an die passenden willigen Touristen zu verbimmeln. Nur, es sind ja keine Touristen in Holguin. Danke Ike, und noch mal vielen Dank Ike. Hat ja doch was für sich. Außer Bernd und mir waren genau noch 3, Ihr hört richtig, 3 Touristen in der Stadt. Drei junge Burschen von um die 30 Jahre aus Belgien. Mit denen hat Bernd dann gesoffen und der „Schlepper“ hat denen und Bernd reihenweise die Chicas vorgestellt. So eine Stunde später waren dann alle „versorgt“ und die Party ging wohl bis um 06.00 Uhr am Morgen. Diesmal war Bernd unnötigerweise vorsichtiger. Seine „Eroberung“ hieß Maya, 28 Jahre alt und entsprach seinem unter 50 Kilo Gardemaß. Hübsches Gesicht, glatte, braune schulterlange Haare, den üblichen „Arschwackeltanz“ beherrschend. Sie ist sogar berufstätig und das nicht als Professionelle Touristenabzock-Hure in Havanna, sonder ganz seriös tagsüber in einer Firma in Holguin. Irgend etwas technisches, glaube ich mich zu erinnern. So genau weiss ich das nicht mehr. Sie sollte um 12.00 Uhr in dem Café sein, wo wir frühstücken sollten. Bernd hat sie am Vorabend ganz seriös nach Hause gebraucht und nur ein bisschen vor der Haustür mit Ihr rumgeknutscht. Ja sind wir denn wieder 18 oder was? Er jedenfalls ganz aufgeregt in seiner Vorfreude auf sein Date. Nur war sie um 12.15 nicht da und wir sind eben Deutsche und sind dann zu unserem Ziel an diesem Tag nach Gibara abgedüst. Da sind wir konsequent. Wer 15 Minuten nach der vereinbaren Zeit nicht erscheint, der hat eben Pech gehabt.

   
Verwüstung in Gibara durch den Wirbelsturm "Ike" Verwüstung in Gibara durch den Wirbelsturm "Ike" Zentrum von Gibara


Gibara ist ein kleiner Ort mit 15.000 Einwohnern an der Küste. Es ist eine kleine Hafenstadt und noch heute lebt man vom Fischfang. An sich ist der Ort keine Reise wert. Aber Sonias Mutter hat bis zu Ihrem Tod dort gelebt und ist dort auch beerdigt. Sonias Cousinen wohnen auch in Gibara. Die Mutter und die Tante hatten ein gemeinsames großes Haus direkt an der Straße am Malecon von Gibara. Sonias Tanta ist nur 1 Monat nach Sonias Mutter genau an der gleichen Art Krebs gestorben. Sie liegen gemeinsam in einem Familiengrab.

Sonia wollte Ihre Cousinen in Gibara besuchen und gemeinsam auch zum Friedhof. Bernd hat während der gesamten Fahrt auf dem Rücksitz unseres Mietwagens geschlafen. Nach 30 Kilometern, das gleiche Spiel wie am Vortag. Umgeknickte Bäume und Strommasten. Nur was wir dann in Gibara gesehen haben, dass verschlug und echt die Sprache. Die Straße zum Malecon war gesperrt. Über mehrere kleine Nebenstraßen fahren wir möglichst nah an das Haus (bzw. was davon übrig geblieben ist) heran, dass nun Sonias Cousinen gehört. Das letzte Stück mussten wir zu Fuß gehen. Die Straße des Malecon war zum größten Teil verschwunden. Die Mauer des Malecon sowieso. Riesige Krater prägten das Straßenbild. Die Küstenstraße sah aus, wie das Zentrum von Dresden nach der Bombardierung durch die Amerikaner gegen Ende des 2. Weltkrieges. Die Außenmauern vieler Häuser in Richtung Meer gab es nicht mehr. Überall lag Schutt und verfaultes Mobiliar. Die Matratzen der Bewohner lagen in der prallen Sonne zum trocknen. Sonias Cousinen haben sich riesig über den Besuch gefreut. Das einzige positive, was die beiden in der letzten Woche nach Ikes Besuch erlebt haben. Die 3 Kinder der beiden hingen Ihnen wie manisch depressiv in den Armen.

Wie das Haus von Innen aussah, möchte ich dem Leser lieber ersparen. Das sind keine Häuser mehr. Selbst eine Kernsanierung halte ich für utopisch. Da hilft nur noch die Abrissbirne und neu bauen. Aber woher soll das Geld dafür kommen? Die Kubanische Regierung hat zum ersten Mal seit 1959 die Amerikaner um Hilfe gebeten. Die Außenministerin Rice hat jegliche Unterstützung mit dem Hinweis auf das politische System auf Kuba ablehnt. Ja, so ist dass, wenn der Sozialismus bzw. Kommunismus das ehemals einzige Schreckgespenst des „Koloß im Norden“ auf Erden ist. Heute ist es ja der Terrorismus.

Wir sind dann mit einer der Cousinen zum Friedhof gefahren. Die andere musste die Kinder hüten. Ehemänner gab es anscheinend auch nicht mehr. Ich wollte die Hintergründe des Familienlebens unter diesen Umständen nun wirklich nicht erfragen. Soviel Elend habe ich auf dieser Welt noch nicht gesehen und die Trauer, die Sonia und Ihre Cousine am Grab ihrer Mütter überfallen hat (beide Mütter sind kaum über 50 Jahre alt geworden), hat auch nicht gerade zur Verbesserung unserer Gemütslage geführt.

Wenn ich eines gelernt habe durch meine vielen Reisen in die ärmeren Länder dieser Welt, dann ist es, das ich in Deutschland jetzt seit Jahren gelassener geworden bin, was unsere alltäglichen Probleme angeht. Ich freue mich tatsächlich jedes Mal auf meine Heimat. Das Wetter ist fast das einzige, was mir an Deutschland nicht gefällt. Aber selbst das vertrage ich besser als die schwülwarme Hitze tropischer Länder.

 
Landstrasse zwischen Gibara und Holguien Oldtimer-Motorrad (in Holguien)


Wir haben nach ungefähr 2 Stunden Gibara wieder verlassen. Laut den Informationen der Einheimischen aus Gibara müssen auch die Strände in der Nähe von Gibara dementsprechend aussehen. Also sind wir zurück nach Holguien gefahren. Den Rest des Nachmittags haben wir einem Lokal mit Außengastronomie in der Fußgängerzone von Holguin verbracht. Das Essen war übel und wir sind dann schnell auf flüssige Nahrung umgestiegen. Die Stimmung hat sich nach der 3. Dose Bier merklich gebessert. Außerdem wurde unserer Runde am Tisch immer größer, weil sich mehrer Leute zu uns gesellt haben. Zuerst kam ein Deutscher aus dem Ruhrgebiet so um die 50 Jahre mit seiner Frau an unseren Tisch. Er hatte wohl gehört, dass wir Deutsch sprachen und so kamen wir ins Gespräch. Wie sich herausstellte ist er seit 5 Jahren mit seiner Kubanischen Frau verheiratet und lebt in Dorsten im Ruhrgebiet. Er ist aber schon seit 18 Jahren regelmäßig in Kuba und hat 2006 sogar insgesamt 11 Monate mit seiner Frau hier gelebt. Bernd fand das alles sehr spannend und hing ihm so um die 2 Stunden and den Lippen. Ich habe mich mehr mit Sonia unterhalten und 3 weiteren Gästen, die wir aus unserem Flieger von Deutschland nach Kuba kannten. Bzw. 2 Gästen denn der andere war ein einheimischer Kubaner.

Ana Maria (Kubanerin) lebt seit 19 Jahren in Erfurt und arbeitet als Köchin in einem Mexikanischen Restaurant. Sie ist 46 und auch alleinerziehende Mutter einer 17 jährigen Tochter. Sie hat Ihrer Mutter ein Haus in Holguin von dem in Deutschland erarbeiteten Geld gekauft und dort lebt Ihre Mutter auch. Ana Maria jammert uns die Ohren voll, dass sie in Deutschland nach der Trennung von Ihrem Mann vor 7 Jahren nie wieder jemanden kennengelernt hat. (Ich denke mir, na dann musst Du halt mal 20 Kilo abnehmen, vielleicht wird das dann ja noch mal was). So mit 25 als Stadtbekannter „Fettnäpfchentreter“ wäre mir das sogar raus gerutscht, aber jetzt mit 43 bekomme ich es doch langsam auf die Reihe, mir so etwas zu verkneifen.
Ihre Freundin und Urlaubsbegleiterin ist Deutsche und 25 Jahre jung. Sie ist für die Cocktails im gleichen Restaurant in Erfurt zuständig. Darüber hat sie sogar eine Berufsausbildung mit Zertifikat als Barkeeperin. Sie steht sogar mit einem selbst kreierten Kaktus Cocktail in irgend einem wichtigen Buch für Cocktails. Neben ihr saß mit ihr Händchen haltend der bereits erwähnte Kubaner. Monika hat sein Foto bei Ana Maria zu Hause in Erfurt gesehen und fand ihn wohl ganz süß. Sie ist extra wegen ihm mit Ana Maria nach Kuba gereist um ihn kennenzulernen. Das hat dann glaube ich 2 Stunden und 32 Minuten am ersten Abend gedauert, bis es bei ihnen „gefunkt“ hat. Tja, das mit dem Fabel für das exotische ist wohl auch bei der ein oder anderen Deutschen Frau der Fall.

So gegen 18 Uhr und dem 5. oder 6. Bier reichte es uns und wir sind zurück zu unserem Casa Particuar gefahren. Dort gab es Ärger mit unserer Vermieterin. Die Touristenkarten hatte sie am Morgen bekommen, das war nicht das Problem. Nur waren Sonia und ich am Vorabend mit dem Auto zurück gefahren und haben es auf dem Innenhof geparkt. Das war auch nicht das Problem. Aber wir hatten nur einen Schlüssel und Bernd wollte ja länger in der Stadt bleiben. Also haben wir das Schloss vom Tor so angebracht, dass Bernd hinein konnte und die Haustür konnten wir nicht abschließen, weil Bernd ja sonst nicht hinein gekommen wäre. Bernd war aber um 06.00 Uhr Morgens als er nach Hause gekommen ist wohl doch betrunkener als er dachte und hat das Tor zur Straße nicht richtig zugezogen und die Haustür stand sogar offen. Das hat die Vermieterin ziemlich auf die Palme gebracht. Aber erst als sie behauptete, Bernd hätte am Vorabend, gegen ihr ausdrückliches Verbot, eine Chica abgeschleppt, ist auch Bernd dann richtig laut geworden. Mit Bernd streitet man sich besser nicht. Das kann unangenehm werden. Ich habe mich verflüchtigt. Ich habe ja sowieso nichts von dem Spanisch verstanden und war total platt und leicht angetrunken. Sonia hat die Situation dann irgendwie klären können und die Wogen haben sich erst einmal wieder geglättet. Wie sie darauf kam, Bernd wäre in Begleitung nach Hause gekommen, ist mir allerdings ein Rätsel. Er war tatsächlich alleine. Ich schätze, sie muss wohl schon einiges mit anderen Touristen und deren Begleitungen erlebt haben. Wir haben über 2 Stunden fest geschlafen. Am Abend (bzw. schon um kurz vor 22.00 Uhr) sind wir einem Restaurant essen gegangen wo man mit Kubanischen Pesos bezahlen konnte. Wir hatten natürlich keine Kubanischen Pesos. Macht nichts, uns wurde uns versichert, man würde uns den Preis einfach in CUC Dollar umrechnen. Prima, so konnten wir mal billig essen. Es gab aber um kurz vor 22.00 Uhr nur noch 2 Gerichte zur Auswahl. Ratet mal welche? Ihr meint Schwein oder Hähnchen? Falsch, Schwein oder Kaninchen. Als Beilage liegt ihr aber mit Reis voll richtig. Nur gab es kein Gemüse und auch kein Salat mehr. Dafür war das Essen in 4 Minuten und 42 Sekunden auf dem Tisch. Ob wir wohl die Reste von jemand anderem bekommen haben? Keine Ahnung. Nach dem Essen ging es dann in die Disco vom „Casa de la Musica“. Eintritt 5,-- CUC. Es gab eine Flamenco Show und der Laden war gut gefüllt. Übrigens hat die Disco 7 Tage die Woche geöffnet und es gibt jeden Abend ein Life Programm mit einer anderen Musikrichtung. Das hat schon was. Die Flamenco Tänzerinnen waren super Klasse. Nicht nur optisch sondern tatsächlich auch tänzerisch. Die Tänzer wohl auch, aber da habe ich nicht so drauf geachtet. Kaum war die Show zu Ende begann der DJ seinen üblichen Reggeaton und alle weiblichen Gäste fangen an mit dem Arsch zu wackeln.

Bernd Date von 12.00 Uhr taucht um 00.00 in dem Laden auf. Missverständnis? Kommunikationsproblem? Egal. Sie war da und meine und Sonias Hoffnung, nicht so schnell zurück nach Havanna zu müssen schien sich zu erfüllen, weil sich für Bernd eine ständige Begleiterin gefunden hatte. Diese Nacht hat Bernd uns mit dem Auto am Haus abgesetzt und seine Begleitung mit dem Auto zu ihr gefahren nach Hause gefahren. Er ist aber wieder „brav“ geblieben und hat sie „artig“ zu Hause abgesetzt.


Mittwoch, 17.09.2008: Playa Esmeralda

Am Mittwoch Morgen ließen wir uns genauso viel Zeit wie schon am Tag vorher. Wir waren wieder im gleichen Café frühstücken. Dieses Mal war Maya pünktlich um 12.00 Uhr anwesend. Wir wollten zu einem anderen Strand. Am Vorabend in der Disco hatte uns jemand gesagt, dass ein paar Kilometer vor Guardalavaca, wo wir am Montag waren noch ein sehr schöner Strand sein. Soll der Strand heißt „Playa Esmeralda“. Maya hat aber keine Strandklamotten dabei. Also hat Bernd sie für den Tag am Strand eingekleidet (Bikini usw.) Playa Esmeralda liegt an der Ostseite der Buch von Naranjo. Diese Bucht ist als Yachthafen bekannt und bei Ausländern sehr beliebt. Von dort kann man auch zur Delfininsel Cayo Naranjo übersetzen. Ich schreibe schon wieder in der Gegenwart. Das ist aber alles Vergangenheit. Den Yachthafen gibt es nicht mehr. Ob die Yachten vor dem Hurricane evakuiert wurden, weiß ich nicht. Jedenfalls der Hafen ist geschlossen und so konnten wir auch nicht auf die Delfininsel.

Blieb also nur noch der Playa Esmeralda übrig. Er wird vielfach schon zu Guardalavaca gezählt, was bei Hotelbuchungen zu Verwirrungen führen kann. Für Taucher wurde hier altes Kriegsgerät versenkt. Die Panzer unter Wasser bieten ein gespenstisches Bild. Es gibt 2 Luxushotels am Strand Esmeralda. Auch diese Hotels sind genau wie in Guardalavaca unbewohnbar und es bietet sich das gleiche Bild von Zerstörung, Schutt und Dreck. Hier sind die Hotelangestellten im vollen Gange die Anlage so schnell wie möglich auf Vordermann zu bringen. Der Strand war schon fast wieder in seinem ursprünglichen Zustand. Esmeralda war der schönste Strand, den ich auf Kuba zu Gesicht bekommen habe. Natürlich mit dem super feinen, weißen Sand und das Wasser war glasklar und warm.
   
Küstenstrasse zum Playa Esmeralda   Hotel am Strand Esmeralda   Playa Esmeralda


Ich habe mich über 2 Stunden im Wasser aufgehalten und geschwommen und getaucht. Wir waren fast die einzigen Leute am Strand. Außer uns vieren waren noch ein Pärchen mit ihren beiden Kindern am Strand. Allerdings Einheimische. Touristen gab es hier wegen dem unbewohnbaren Hotel logischer Weise auch nicht. Die Strandliegen und Sonnenschirme waren schon wieder aufgebaut. Das war der schönste Badetag im gesamten Urlaub. Vorsorglich hatten wir uns dieses Mal unsere eigenen Getränke mitgebracht. Bernd hing den ganzen Mittag mit Maya auf der Liege am Strand und hat nur geschmust und geflirtet. Von Havanna war auf einmal keine Rede mehr. Über die Rückfahrt nach Holguin gibt es nicht besonderes zu berichten, außer, dass das Benzin knapp wurde und wir von der Landstraße noch einmal in einen anderen Ort abgebogen sind um dort zu tanken und etwas Kaltes zu Trinken zu kaufen.

Das Abendprogramm war das übliche. Dieses Mal waren wir viel früher in dem guten Kubanischen Restaurant, indem man mit Pesos bezahlen konnte. Maya wich Bernd für den Rest der Zeit in Holguin nicht mehr von der Seite. Heute Abend gab es auch Gemüse und Salat. Hinterher natürlich ins „Casa de la Musica“. Diesen Abend spielte so eine Art Acapella Gruppe mit 4 Sängerinnen und 2 Sängern. Begleitet von einem Schlagzeug, einem Klavier und einem Saxofon. Die meisten Stücke wurden auf Englisch gesungen und waren bekannte amerikanische Oldies. Ich fand es nett, aber die anwesenden Kubaner haben vor Langeweile gegähnt. Im Deutschland hört die „Jugend“ nur Techno, House und Black Musik und in Kuba halt nur Reggaeton. Selbst im Radio in den Fernsehshows und in jedem Café wird nur dieser Müll gespielt. Reggaeton besteht in der Regel aus 2-3 Sängern und einem Keyborder, bzw. DJ.

Der Reggeaton entstand in den 1980er Jahren in Panama, zunächst als „spanischsprachiges Reggae“. Ab Ende der 1990er Jahre vermischten aus der Dominikanischen Republik und Puerto Rico stammende Künstler in New York, die Elemente der Genres Merengue und Salsa mit Hip-Hop- und Reggae Elementen. Zeitgleich in den 1990er Jahren wurde auch in Puerto Rico Reggaeton gespielt, und von hier aus eroberter die Musik schließlich ganz Lateinamerika, kurze Zeit später auch die USA, Spanien und seit 2005 ist die Musik auch in Mitteleuropa populär geworden. Bei diesem müden Applaus vom Publikum gab es natürlich keine Acapella Zugabe. Und der DJ im „Casa de la Musica“ spielt was? Klar, Reggaeton. Die beiden bereits erwähnten Frauen aus Erfurt, die wir bereits kennengelernt haben waren auch da und haben uns für den nächsten Tag privat zum Mittagessen eingeladen.


Donnerstag, 18.09.2008:

Das Frühstück haben wir uns heute gespart denn die Einladung zum Mittagessen galt für 13.00 Uhr. Wir haben die Adresse tatsächlich ohne Navigationssystem gefunden.
Navigationssystem auf Kuba, das wäre ja noch was . Aber es ging auch mit „Durchfragen“ an so ziemlich jeder zweiten Kreuzung. Das Haus ist in einem super Zustand. Da kann man mal sehen was so eine in Deutschland lebende Kubanerin mit Euros alles bewirken kann. Eigentlich war ja über Jahrhunderte der Zucker das Exportgut Nummer eins der Kubaner. Exportgut Nummer eins sind die Kubanerinnen noch nicht, aber die Devisen sind jedenfalls herzlich willkommen.

Das Essen war das Beste Essen, was ich auf Kuba gegessen habe. Es gab: Schweinebraten, gebackener Reis mit Bohnen, frittierte gelbe Kochbananen und einen gemischten Salat. Wir waren bis Nachmittags dort. Später sind wir zum Flughafen von Holguin gefahren. Wir wollten Freitag eventuell nach Santiago de Cuba fliegen. Die Fahrt mit dem Auto war uns zu lang.

Santiago de Cuba ist mit 500.000 Einwohnern die Zweit größte Stadt auf Kuba und liegt eingebettet in einer tollen Kulisse aus Bergen, Meer und Wäldern. Aufgrund der geografischen Lage war sie schon immer Anlaufstelle für Einwanderer aus Jamaika und Haiti. Daher ist der Anteil der schwarzen Bevölkerung sehr viel höher als in anderen Städten. Leider gab es keine Flüge nach Santiago de Cuba. Dieses Reiseziel muss ich wohl in meinem nächsten Kubaurlaub besuchen. Sonia war ganz froh darüber. Sie mag Santiago de Cuba nicht wegen dem großen Anteil an schwarzer Bevölkerung. Sie meint, dass diese Stadt die einzige gefährliche Stadt mit hoher Kriminalität auf Kuba sei.

Dieses Stichwort bringt mich auf das Thema Bevölkerungsstruktur und Rassismus. Siebzig Prozent der elf Millionen Kubaner sind Nachfahren der Spanischen Einwanderer und 12 Prozent sind Nachfahren der afrikanischen Sklaven. Mulatten, Mestizen und ein kleiner Teil Asiaten (vor allem Chinesen) bilden den restlichen Anteil. Mulatten sind die Mischlinge der Spanier und Afrikaner und Mestizen sind die Mischlinge der Ureinwohner und der Spanier. Rassismus gibt es offiziell zwischen den Bevölkerungsgruppen nicht, da Fidel Castro dies sofort nach der Revolution „verboten“ hat. In der Praxis sieht das jedoch anders aus. Rassismus existiert und ist entgegen der Behauptung des Staates sogar stark verbreitet.
Je heller die Haut, desto größer ist das Ansehen der Menschen .

Wie dem auch sei, aus unsrem Ausflug nach Santiago wurde also nichts. Der Nachmittag war schon fast vorbei und wir haben uns entschlossen den Rest der Zeit am Pool des Hotel Perni zu verbringen. Für 10,-- CUC Eintritt konnte man sich auch am Pool aufhalten, wenn man nicht Gast des Hotels ist. Es handelt sich aber nicht um Eintritt im eigentlichen Sinne, sondern um einen Mindestverzehr von 10,-- CUC. Am Pool trafen wir Bekannte aus dem „Casa de la Musica“. Die 3 Belgier und ihr weiblicher Anhang. Wie Bernd und Maya sind die Belgier für den Reste ihrer Zeit in Holguin mit ihrer jeweiligen „Freundin“ aus der ersten Nacht im „Casa de la Musica“ zusammen geblieben. Für Freitag haben wir uns mit der ganzen Truppe in unserem Frühstückscafé verabredet und eine weitere Strandtour geplant. Über den Donnerstag Abend gibt es nichts interessantes zu berichten. Das übliche Programm. Erst ausruhen, dann duschen, dann essen gehen, dann Kneipe und zum Schluss Disco. Das alles ohne besondere Vorkommnisse. Über die nächtlichen Vergnügungen von Bernd und Maya habe ich keine weiteren Informationen. Da er aber sein Zimmer über uns hatte, konnten wir seine Aktivitäten zu mindestens hören, und sie waren sehr aktiv. Es sei noch zu Erwähnen, dass der Streit mit der Vermieterin sich gelegt hatte. Ihr Sohn war zu Besuch. Er ist ein Miami Kubaner und sprach sehr gut Englisch. Also konnte ich meine Rhetorischen Fähigkeiten bei ihm auch auf Englisch unter Beweis stellen und er hat die Situation mit der Mutter in unserem Sinne geklärt. Maya wurde von der Dame des Hauses als „vertrauensvoll“ eingestuft und durfte die Nächte mit Bernd verbringen. Allerdings Ihren Personalausweis musste sie trotzdem artig jeden Abend bei ihr abgeben.


Freitag, 19.09.2008: Playa de Harradura, Holguien

Wie üblich begann der Tag mit dem Frühstück indem bereits erwähnten Café. Um 12.00 kamen wie verabredet die Belgier samt Weiblichem Anhang. Wir fuhren mit unserem Auto und einem Taxi nach „Playa de Harradura“. Harradura heißt Hufeisen und der Strand hat die Form eines Hufeisens. Laut Auskunft des ständigen Begleiters der „Chicas / Jineteras“ sollte der Strand in einem guten Zustand sein. Ich war mir da nicht so sicher, denn der Strand gehörte zu dem Bezirk von Gibara. Und über die Zerstörung in Gibara habe ich ja schon ausführlich berichtet. Wir wollten lieber wieder zum Strand Esmeralda. Aber nach mehrmaligen Beteuerungen, es sei alles in Ordnung in Harradura, sind wir dann dort hin gefahren. Ich habe mir den Weg auf der Karte angesehen. Es handelte ich um eine Landstraße im gleichen Stil der Landstraßen, die wir schon befahren hatten. Das Taxi immer vorne weg und wir hinterher. Die Fahrt dauerte nervige 2 Stunden und ich bin mir sicher, sie führte nicht über die Landstraße, die ich mir ausgeguckt hatte. Mein Verdacht hat sich dadurch bestätigt, dass wir einem total runter gekommenen Dorf (und das lag definitiv nicht an Ike) halt gemacht hatten,
weil eine von den Chicas irgendwelche Verwandte besucht hat .

Der Strand war gelinde gesagt einfach nur „Scheiße“. Dreckiger Sand und total stilles, verschmutztes Wasser. Außerdem schien nur an einem Strand auf Kuba nicht die Sonne und das war Harradura. Der Ausflug war also, was den Strand angeht,völlig für den Arsch.

 
Fahrt nach Playa de Harradura Playa de Harradura


Der „Schlepper“ der Chicas hat dann ein „
Paladar “ für uns ausfindig gemacht. Paladares sind private Restaurants im Wohnzimmer eine Familie. Mittlerweile ist diese Form des Restaurants auf Cuba erlaubt, allerdings müssen die Besitzer hohe Steuern zahlen. Laut Gesetz dürfen diese kleinen Restaurants nicht mehr als 3 Tische und 12 Stühle aufweisen. Trotzdem gibt es hier meist gutes Essen zu günstigen Preisen. Ohne einen Vermittler findet man ein solches Lokal in der Regel nicht. Dafür bekommt der Vermittler einen Anteil von mindestens 1 CUC pro Gast . Der Betrag wird natürlich dem Gast aufgeschlagen. Das Essen in einem Paladar ist nicht nur billiger sondern auch besser als in einem öffentlichen Restaurant. Das Essen in diesem Paladar war spitze. Das hat unsere enttäuschten Gemüter wieder etwas beruhigt. Wir hätten öfter in einem Paladar essen gehen sollen. Es gab, Hummer, frischen Fisch, Schweinesteaks, Spagetti, Reis mit Bohnen, gebratene Kochbananen und Pommes Frites. Und das in solchen Mengen, dass wir nicht alles aufbekommen haben. Pro Person betrug der Preis 8,-- CUC .

Nach dem Essen fuhren wir zurück nach Holguin. Abends haben wir uns alle in unserem Stammlokal wieder getroffen. Heute Abend spielte eine Rockband und es war wohl darum ziemlich lehr für einen Freitag Abend. Das muss wohl an der Musik gelegen haben, denn ab Mitternacht wurde es schlagartig richtig voll, nachdem die Band ihr Konzert beendet hatte. Bernd war aber ziemlich übel gelaunt und ich erkundigte mich nach dem Grund dafür. Wir kamen gegen 19.00 Uhr in unserem „Casa Particular“ an. Natürlich habe ich mich wie üblich erst einmal geduscht und dann in Bett gelegt. Das hat Bernd auch getan. Allerdings wollte Maya noch mal „kurz“ nach Hause und sie wollte in einer Stunde wieder da sein. Er halt sich also mit dem duschen Zeit gelassen und sich eine Stunde später schon mal eine „Viagra“ eingeworfen. Nur kam Maya erst nach fast 3 Stunden zurück. Die Wirkung war natürlich schon verflogen und er war ziemlich sauer wegen der verschwendeten Tablette und den 3 Stunden, in denen er sich mit Warten gelangweilt hat. Tja, Zeit ist eine Illusion und die Zeit auf Kuba erst recht. Über die Geschichte mit dem Viagra habe ich mich innerlich kaputt gelacht. Zum Glück brauche ich so was nicht. Bernd Laune hat sich aber nicht gebessert und er ist schon nach einer Stunde wieder abgehauen und hat sich schlafen gelegt.
Maya wollte noch dort bleiben und wir sollten sie später mitnehmen und bei ihm absetzen. Das war der Einzige Abend auf Kuba an dem Bernd schon kurz nach Mitternacht im Bett war. Es sollte unser letzter Abend in Holguin sein und Sonias hat Ihre beste Freundin aus Ihrer Kindheit noch einmal eingeladen um mit uns zu feiern. Der Abend war noch recht lustig und feuchtfröhlich. Es war ja schließlich Wochenende und die Disco war voll und das Publikum ließ echt die Puppen tanzen. Außerdem trafen wir auch viele alte Bekannte von Sonia. Daher hatte sie an diesem Abend besonders viel Spaß. So gegen 03.00 drängte ich aber doch darauf schlafen zu gehen, weil am nächsten Morgen um 09.30 die Busfahrt zurück nach Havanna starten sollte. Wir haben Maya mitgenommen und sie bei Bernd abgesetzt. Vorher haben wir aber noch Sonias Freundin nach Hause gefahren. Sonia und ich haben uns kaum ins Bett gelegt, da hörten wir auch schon von oben die üblichen nächtlichen Geräusche. Ob dazu wieder eine Viagra eingeworfen wurde, kann ich nicht sagen…


Samstag, 20.09.2008: Holguien, Fahrt nach Havanna

Der Wecker klingelte um 07.00 Uhr. Diese Nacht also sogar nur 4 Stunden Schlaf. Aber wir mussten ja noch den Leihwagen um 08.00 Uhr pünktlich abgeben. Außerdem musste ich noch zur Bank, mit der Kreditkarte Geld ziehen. Mein Vorrat an Bargeld war mittlerweile aufgebraucht. Die Koffer hatten wir schon am Vorabend gepackt. Eigentlich wollten wir ja bis zu unserer Abreise nach Deutschland in Holguin bleiben, aber auf Dauer war es dort dann doch zu langweilig. Das lag in erster Linie daran, dass alle Sehenswürdigkeiten und alle Strände von Ike zerstört wurden. Havanna war nicht von dem Hurricane betroffen und die Stadt ist definitiv die einzige wirklich interessante Stadt auf Kuba. Dadurch, dass wir dieses Mal die Fahrt am Tag gemacht haben, konnte ich noch sehr viel von Kuba sehen. Zumindest im vorbeifahren aus dem Busfenster heraus. Die Fahrt ging durch Las Tunas (Hauptstadt der Provinz Las Tunas), Camagüey (Hauptstadt der Provinz Camagüey), Ciego de Àvila (Hauptstadt der gleichnamigen Provinz), und durch einige andere kleine Städte in den Provinzen Sancti Spíritus, Cienfuegos und Matanzas bis nach Havanna. Während der Fahrt habe ich noch sehr viele schöne Fotos schießen können. Gegen 14.00 hat der Bus eine 45 Minuten lange Mittagspause eingelegt. Das Essen an der Raststätte war extrem teuer. Aber das kennt man ja von Autobahnraststätten überall auf der Welt.

Um 21.00 sind wir in Havanna angekommen. Sonias Vater
hat uns ein Casa Particular in Havanna organisiert . Das Apartment hatte 2 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche und Bad und hat uns zusammen 50,-- CUC pro Nacht gekostet. Endlich war Bernd in seiner geliebten Hauptstadt angekommen und wollte sich natürlich so schnell wie möglich ins Nachtleben stürzen. Im Salon Rojo im Hotel Capri sollte es ein Konzert von „Gente de Zona“ geben. Das ist die bekannteste Reggaeton Band auf Kuba. Wir waren gegen 23.00 da und die Schlange war unendlich lang. Der Eintritt sollte außerdem 35,-- CUC pro Person kosten. Also auf Schlange stehen für eine Reggaton Band hatte ich wirklich keinen Bock. Zum Glück war Bernd der gleichen Meinung wie ich. Er hat sich aber eher über den Eintrittspreis aufgeregt. Die Schlange hätte ihm nichts ausgemacht. Denn drinnen „warteten auf Ihn“ ja die schönsten Chicas Kubas. Sonia hätte weder die Schlange, noch der Preis gestört. Sie findet die Band klasse und wäre gerne hinein gegangen. Wir sind dann zu einer anderen bekannten Disco gefahren. Das war eine Open Air Disco am Ende vom Malecon. Den Namen habe ich leider vergessen. Es zwar voll, aber leider war das Publikum war extrem jung. So zwischen 16 und maximal 22 Jahren. Nach 40 Minuten und 2 Bier konnten Sonia und ich Bernd überzeugen, das Lokal zu verlassen. Er wäre sogar da geblieben. Hauptsache Disco.

In dem zu der Disco gehörenden Gebäude gab es vorne noch einen kleinere Kneipe, die keinen Eintritt kostete. Die Kneipe war voll mit Studenten in einem Alter von 20 bis 28 Jahren. Es spielten mehrere Akustik Bands. Meist ein Sänger, ein bis 2 Gitaristen und eine Percussion. Ich kann ja kein Spanisch, aber die Musik schien sehr anspruchsvoll zu sein. Die Studenten hingen den Musikern förmlich an den Lippen um zu verstehen, was sie der Welt mitzuteilen hatten. Die Leute waren super lässig. In Deutschland würde ich das Publikum eher in die alternative Szene einordnen wollen. Nach Musikalischen Ansprüchen war es das Beste, was ich auf Kuba gehört habe. Die Studentinnen waren sehr hübsch, aber interessierten sich natürlich für die Musik und nicht für Bernd. Also hat er jetzt nach 40 Minuten und 2 Bier angefangen zu drängeln und wollte das Lokal wechseln. Ich habe aus Neugier ein paar der Musiker angesprochen und wollte mehr über die Szene erfahren. Sonia gab Ihnen die Adresse ihres Vaters, weil sie uns versprochen hatten eine CD zu brennen und uns vorbei zu bringen. Ich habe den Jungs jeweils ein Bier ausgegeben und tatsächlich rief uns Sonias Vater am nächsten Tag in unserem Casa Particular an und meinte es sei jemand da gewesen und hat eine CD für uns abgegeben. Das war eine der wirklich positiven Überraschungen auf Kuba. Bernd wollte zum Abschluss des Abends wieder in die Hoteldisco des Habanna Libre. Was dort so abgeht habe ich ja schon ausführlich berichtet. Dem gibt es nichts hinzuzufügen.


Sonntag, 21.09.2008: Havanna

Das Frühstück, das unsere Vermieter uns gezaubert haben war vom allerfeinsten. Überhaupt waren diese Vermieter super nett. Sollte ich noch einmal nach Havanna wollen, werde ich mich wieder dort einmieten. Es gab einen riesigen Früchteteller mit Ananas, Banane, Papaya und Melone. Es war das einzige Mal, das ich auf Kuba soviel Obst zu Gesicht bekommen habe. In den Touristenhotels soll es aber jeden Morgen ein Obstbuffet geben. Zusätzlich gab es gekochte Eier, Toastbrot, Butter Aufschnitt, Orangensaft und Milchkaffee. Also waren wir gut gestärkt, denn wir wollten den Stadtteil Vedado von Havanna, wo wir wohnten, zu Fuß erkunden.

Die äußere Grenze von Vedado ist der Malecón. Unsere Wohnung ist ca. 2 Kilometer vom Malecón entfernt und die Adresse ist Avenida de los Presidentes 609. Die Allee ist wunderschön und beginnt direkt vor unserer Wohnung am Denkmal des José Miguel Gómez.

 
Avenida de los Presidentes eines der zahlreichen Häuser aus der Kolonialzeit


Wir sind die Avenida fast bis zum Malecón runter gelaufen. In der Mitte er Allee mit jeweils 2 Fahrspuren in jede Richtung befindet sich eine sehr schön gepflegte Parkanlage. Die Avenida ist gesäumt von teilweise gut erhaltenen Kolonialbauten. Hier befinden sich auch mehrere Botschaften. Alle 100 Meter steht ein Denkmal eines Präsidenten. Ja, jetzt könnt Ihr ja doch noch was über Geschichte und Kultur lernen:

 
Denkmal Jose Miguel Gomez Avenida de los Presidentes


Einige Denkmäler die wir gesehen haben:
  • Salvador Allende, der 1970 erste, frei demokratisch gewählte Präsident der links gerichteten Partei Chiles.
  • José Miguel Gómez (* 16. Juli 1858 in Sancti Spiritus in Kuba; † Oktober 1921 in Kuba) war kubanischer Politiker und von 1909 bis 1913 und zweiter Präsident der Republik Kuba. Er kämpfte in der ersten Phase des Unabhängigkeitskrieges (Guerra Larga) gegen die spanische Kolonialmacht und nahm als General am Unabhängigkeitskrieg (Guerra de Independencia) von 1895 bis 1898 teil. Er war Mitglied der verfassunggebenden Versammlung von 1901 und Vorsitzender der Liberalen Partei (Partido Liberal de Cuba).
  • José Eloy Alfaro Delgado (* 25. Juni 1842 in Montecristi, Manabí, † 28. Januar 1912 in Quito, ermordet) war ein ecuadorianischer Militär und Politiker. Er war zweimal (1895-1901 und 1906-1911) Präsident von Ecuador. Er gilt als der herausragende liberale Politiker in der Geschichte seines Landes und als zentrale Figur des politischen Lebens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Er gründete 1878 den Partido Liberal, die Liberale Partei Ecuadors, die unter verschiedenen Namen eine zentrale Rolle in der ecuadorianischen Parteienlandschaft des 20. Jahrhunderts spielte, und
  • Simón Bolívar (Capitania General de Venezuela, heute Venezuela; † 17. Dezember 1830 in Santa Marta, Kolumbien; genannt El Libertador) war südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer und ist Nationalheld vieler südamerikanischer Länder. Er führte die Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanischen Kolonialherren in den heutigen südamerikanischen Staaten Venezuela, Kolumbien, Panamá, Ecuador, Peru und Bolivien an.

 
Denkmal Salvador Allende Denkmal Jose Eloy Alfaro Delgado


Direkt in der Nähe der Avenida de los Presidentes ist die Universität de La Habana. Sie liegt auf einem von grün umgebenen Hügel. Dort wird Jura, Medizin und Philosophie studiert. Nachts halten sich auf der Avenida de los Presidentes bis zu 2.000 Studenten auf und sitzen auf den vielen Parkbänken in Gruppen und unterhalten sich über alles was sie bewegt. Leider kann ich wie schon erwähnt kaum Spanisch und konnte mich an keiner Diskussion beteiligen. Zwei Blocks vor dem Malecón sind wir von der Avenida rechts abgebogen und haben auf dem Weg in Richtung Hotel Nacional hauptsächlich Kolonialbauten und Oldtimer fotografiert.

Als die reichen Cubaner 1959 vor der Revolution flohen, mussten sie ihre Prachtkarossen zurück lassen. Man sieht sie noch heute in ganz Kuba aber hauptsächlich in Havanna. So viele Buicks, Chevrolets, Cadillacs und Pontiacs gibt es in ganz Amerika nicht mehr. Leider gibt es kaum noch gut erhaltene Oldtimer. Aber vor dem Hotel Nacional kann man eine ganze Reihe gut erhaltener Oldimer für eine Fahrt buchen.

Das Hotel Nacional ist ein Luxushotel der 20er Jahre. Hier trafen sich die Leinwandgrößen und Politiker. Davon zehrt das Hotel noch heute. Wir wollten in dem Hotel Euros wechseln. Die Wände des Hotels sind voll mit allen Filmstars, die dort jemals übernachtet haben. Wir haben uns für eine Stunde an einen der vielen Tische der Außenanlagen des Hotel Nacional gesetzt den Blick auf den Malecón genossen. Vor dem Hotel haben wir uns mit dem Besitzer einers der beste erhalten Oltimer, die wir auf Kuba gesehen haben, unterhalten. Er hat er den Oldtimer von einem Rentner für 6.000,-- Dollar gekauft und ihn komplett wieder in seinen Originalzustand hergerichtet. Dafür hat er mehrere Jahre in den U.S.A alle Ersatzteile im Original wieder beschafft.
 
Hotel Nacional Oldtimer vor dem Hotel Nacional

Ich wollte von ihm wissen, wie er denn von den U.S.A. ohne Probleme in Kuba aus und einreist. Es geht ganz einfach: Die Exil-Kubaner reisen erst nach Mexico. Von da aus fliegen sie nach Kuba. Wie bereits erwähnt gibt es auf Kuba keinen Stempel in den Pass, sondern nur in die Touristenkarte. Also merkt Bush gar nicht, dass seine „Landsleute“ in Kuba Urlaub machen. Castro scheint das Recht zu sein. Die Devisen sind willkommen, erst Recht jetzt, nach dem Hurricane. Havanna war während unseres Urlaubs voll von Exil-Kubanern.

Wir bekamen langsam Hunger und wir wollten zu einem Restaurant mit dem Namen „Die 3 Chinesen“, was uns jemand empfohlen hatte. Wie der Name des Restaurants vermuten lässt, liegt es im Chinesischen Viertel von Havanna. Als die Skaverei abgeschafft wurde, kamen viele Chinesen und Filipinos nach Kuba. Sie waren zwar freiwillig gekommen, mussten aber sogar noch ihre Überfahrt abarbeiten. Später ließen sich viele in La Habana nieder und schufen das Chinesenviertel. Heute schätzt man die Anzahl der Chinesen auf Kuba auf ca. 150.000.

Das Restaurant war geschlossen, aber es gab in dem Viertel noch zahlreiche andere Chinesische Restaurants. Das Essen war gut und günstig. Es reiht sich ein Restaurant neben dem anderen, sonst war es dort nicht interessant.

Es wurde auch langsam dunkel und wir sind zurück zu unserem Apartment gefahren um uns auf die nächste Party-Nacht vorzubereiten. Sonia hat heute etwas länger im Bad gebraucht und Bernd und ich sind schon mal in eine Kneipe an der nächsten Ecke gegangen. Dort haben wir zwei Brasilianer kennengelernt, die in Kuba Medizin studieren und schon seit 3 Jahren dort leben. Ich konnte mit meinem Portugiesisch glänzen und habe sehr viel von Ihnen über das Studentenleben in Kuba erfahren.

Heute abend sollte es wieder zum Salon Rojo gehen, dies ist nun mal der Beste Club in der Stadt. Die Schlange war am Sonntag Abend nicht so lang wie am Samstag. Trotzdem hat es 15 Minuten gedauert, bis wir drin waren. Heute Nacht gab es kein Band zu sehen. Wir hatten ziemlich schnell einen Tisch ziemlich nah bei der Bühne. Wie üblich für 4 Personen. Es gab eine Tanzrevue.
Die Flasche war noch nicht am Tisch und schon kommen die ersten beiden Mädchen an unseren Tisch. Es wunderte mich, dass Bernd sie gleich bat, Platz zu nehmen. Ich meine, die eine sah echt scharf aus, aber Bernd hatte (wie er mir später erzählen sollte) gedacht, er kannte sie schon von letzter Woche. Er hat sie einfach verwechselt. Tja, Pech gehabt. Jetzt sitzt sie da und er wird sie definitiv nicht mehr los für den Rest des Abends. Die andere habe ich gleich ziemlich barsch davongejagt. Die kommt bestimmt nicht wieder.

„Nur eine, verschwinde von unserem Tisch“ sagte ich ihr in gebrochenem Spanisch. Sie hat es anscheinend verstanden, schaute mich ziemlich erschrocken an und hat mir meinen Wunsch erfüllt. Bernd unterhält sich den ganzen Abend mit dem Mädel. Sonia und ich sehen uns die Show an und ich trinke den Havanna Club aus und zünde uns die mitgebrachten Zigarren an. Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich Nichtraucher bin. Wir haben die Zigarren trotzdem fast bis zu Ende geraucht. Mir ist noch nicht mal schlecht geworden.
Die Chica versucht Bernd den ganzen Abend davon zu überzeugen, dass er sie mitnehmen soll. „Wohnst Du im Hotel oder in einem Casa Particular“ war so ziemlich ihre erste Frage. Bernd hätte Hotel antworten sollen, dann hätte er vielleicht Ruhe gehabt. Falsche Antwort, Tussi an der Backe. Sie fragt ihm im Laufe des Abends so 20 Mal, ob er sie mit nimmt. Er wusste ja warum er keinen Bocke hatte.
Erinnert ihr Euch noch an die 70,-- Euro Schl****pe mit dem schlechten Service von vor 9 Tagen? Er hätte es lassen sollen. Ab sofort werde ich für den Rest meines Lebens in Havanna ziemlich deutlich jeder Professionellen die in meiner Nähe oder in der Nähe meiner Freunde auftaucht sagen: „Pai Gagai mai mi nueng“. Und die sollen mich besser nicht fragen, was das heißt. Das ist thailändisch und heißt: „Verpiss dich, ich hab’ kein Geld“.
Also, wir also zu viert aus dem Laden raus. Vor der Disco stürzen sich wie die Geier die
Taxifahrer auf uns. Wir ignorieren sie alle und nehmen ein Taxi, das ich mir selbst aussuche. Ich sage ihm unser Ziel erst, nachdem ich ihm ungefähr 10 Mal aufgefordert, den Taxameter einzuschalten. Ich lasse mich hier nicht mehr abzocken . Er schaltet also den Taxameter ein und siehe da, die Fahrt hat uns seltsamer Weise nur 2,62 CUC gekostet. Na geht doch. So langsam gehen mir die Schnorrer , Abzocker , Lügner und Nutten in Havanna echt auf den Sack.

Die Stadt ist klasse aber das Nachtvolk sollte Fidel mal komplett wegsperren. Bernd und die Chica verschwinden auf seinem Zimmer. Sie gibt mir ihren
Personalausweis . Na prima, brauchen wir wenigstens nicht den Vermieter wecken. Bernd zieht sich gleich aus und legt sich auf das Bett. Die Chica lässt ihre Klamotten an und beginnt ihre Lügen geschichte von einer ach so kranken Mutter, die ihre Hilfe braucht und ob Bernd sie nicht finanziell unterstützen könnte. Bernd denkt sich, was habe ich denn mit Deiner Mutter zu tun, verkneift sich den Spruch aber und lehnt die Unterstützung erst noch höflich ab. Wie heißt so ein alter Verkäuferspruch: „Bei einem Nein beginnt der Verkauf erst richtig“. Sie lässt also so lange nicht locker bis Bernd ihr entnervt 50,-- CUC anbietet. Jetzt wird die Show noch besser und sie fängt theatralisch an zu heulen und meint, dass würde aber nicht reichen um ihre mittlerweile anscheinend im Sterben liegende Mutter vor dem Tod zu bewahren. Jetzt wird Bernd aber mal richtig sauer: „Jetzt pass mal auf, ich kenne Deine Scheiß Mutter nicht und nach dem ganzen Theater habe ich auch keine Lust mehr Dich zu vögeln. Du kriegst jetzt von mir 10,-- CUC und für ein Taxi und verpisst Dich möglichst schnell aus meiner Wohnung“. Wie durch ein Wunder hört Sie sofort auf zu heulen, nimmt die 10,-- CUC und sieht zu, dass sie Land gewinnt.


Montag, 22.09.2008: Havanna

Leute, am Montag Morgen ging es mir echt schlecht. Ich hatte schwerste Kopfschmerzen und fühlte mich Hundeelend. Am liebsten wäre ich den ganzen Tag im Bett geblieben. Nach einer durchzechten Nacht in Deutschland, bewege ich mich ja schließlich auch nicht weiter als vom Bett in die Küche zum Frühstück und anschließend auf das Sofa zum Fernsehen. Aber wir waren ja in Havanna der schönsten Stadt in der Karibik und wollten keine kostbare Urlaubszeit verschwenden. Sonia ist früher aufgestanden um ihren Vater zu besuchen. Es war ja unser vorletzter Tag in Kuba und sie wollte noch etwas Zeit mit ihm verbringen. Bernd und ich sind mit einem „Coco Amarillo“ zur Marina Hemingway gefahren. Die gelben Dreiräder sind gar nicht zu übersehen. Mit einem Motorrollerfahrgestell und einer geschwungenen Karosserie aus Fiberglass sind sie in allen großen Städten zu finden. Sie haben zwei bequeme Sitze. Außerdem hat man ein Dach über dem Kopf und kann sich trotzdem den Wind um die Nase wehen lassen. Die Fahrt zur Marina Hemingway geht durch den Westen von Havanna. Man fährt durch das Botschaftsviertel Miramar, das vor der Revolution ein gepflegtes Wohnviertel der Reichen Kubaner war. Wie bekannt ist, sind die reichen Kubaner bei der Machtübernahme Castros über Nacht in die U.S.A. verschwunden. So wurden aus den Gebäuden Botschaften, Konsulate, Gästehäuser und Schulen und Regierungsgebäude. An den Villen und Kleinpalästen die fast alle restauriert sind können wir uns gar nicht satt sehen.

 


Für 15.00 haben wir uns mit Sonia im Restaurant vom Hotel Habanna Libre zum Essen verabredet. Sonia lebt wie schon erwähnt seit 15 Jahren in Deutschland und weiß was Pünktlichkeit ist. Nach dem Essen gehen Sonia und ich zurück in unser Apartment und Bernd setzt sich für 2 Stunden in ein Straßencafé gegenüber vom Coppelia. Das Coppelia war an diesem Montag nämlich geschlossen. Es ist das berühmteste Eiscafé in Havanna und wurde 1967 eröffnet. Das Eiscafé ist in dem kubanischen Film „Erdbeer und Schokolade“ zu sehen. Der Akku der Digitalkamera von Bernd ist mal wieder lehr und er bittet mich um meine Kamera. Er schießt so ziemlich von jedem Oldtimer der an dem Café vorbeifährt und so ziemlich jeder halbwegs attraktiven Frau, die vorbei geht, ein Foto. Wie er mir später erzählen sollte, lernt er einen Deutschen und einen Franzosen kennen, die wohl schon länger auf der Insel wohnen. Der Franzose angeblich schon seit 11 Jahren. Gibt es Illegale auf Kuba? Ich weiß es nicht. Selbst wenn er mit einer Kubanerin verheiratet ist, darf er sich nach meinem Wissen nur maximal 11 Monate am Stück auf der Insel aufhalten. Es werden Erfahrungen ausgetauscht und der Franzose kriegt sich gar nicht mehr ein über die Geschichten mit den Nutten aus dem Habana Libre und Salon Rojo. Er behauptet in Havanna ist so ziemlich jede Frau die die Straße entlang spaziert einem Flirt nicht abgeneigt. Es reicht ein "Psssst" und die Frauen setzen sich zu einem an den Tisch sofern Interesse besteht. Sollte mehr passieren reichen in der Regel 10,-- CUC oder ein Geschenk. Wie dem auch sei, ich kann das nicht beurteilen und habe auch keine Erfahrungen diesbezüglich auf Kuba gemacht.

An unserem letzten Abend konnten Sonia und ich und durchsetzen und wir sind nicht in eine Disco gegangen. Anscheinend hatte Bernd jetzt wirklich die Schnauze voll. Wir setzten uns in die Kneipe auf der Avenida de los Presidentes gegenüber von unserem Apartment. Wir hatten uns mit den beiden Brasilianern vom Vorabend und Sonias Vater und einem ihrer Halbbrüder verabredet. Das war eine ganz lustige Gruppe. Nach ein paar Dosen Bier ging es mir wieder besser. Oh Mann, sollte ich auf Kuba zum Alkoholiker geworden sein? Zum Glück nicht. Zu Hause trinke ich keinen Alkohol. Aber ohne zu trinken, kann man das Nachtleben in Havanna nicht aushalten.

Zum Thema Flirten habe ich die beiden Brasilianischen Studenten ausführlich befragt. Sie meinten es gäbe in Kuba einen Spruch der Sinngemäß übersetzt ungefähr so lautet: „Du gefällst mir! Ich gefalle dir! Warum bleiben wir hier?“ Mit dem Sex in Deutschland ist das so eine Sache. Da muss man in der Regel schon Geduld haben und die Frau wirklich erobern wollen. Über Brasilien habe ich immer gesagt, das für die Leute dort Sex so selbstverständlich ist wie schlafen, essen und feiern. Es gehört zum alltäglichen Leben einfach dazu. Aber für Kubaner spielt Sex ungefähr so eine große Rolle wir zur Toilette gehen. Dazu folgt später noch ein Beispiel, welches meine Theorie bestätigt. Die Brasilianer haben sich um 22.00 Uhr verabschiedet. Die Uni fängt früh an auf Kuba und kurz darauf sind auch Sonias Vater und ihr Halbruder gegangen. Wir sind die Calle 23 entlang spaziert und haben uns 3 Bars angesehen. Die erste Station war das „La Zorra y el Cuervo“. Das ist ein Jazzclub. Es gibt jeden Abend ab 23.00 Uhr Konzerte. Die Bar war nur mäßig gefüllt. Für Jazzfans anscheinend ein Genuss. Nach den Fotos mit Unterschriften von Jazzmusikern die an den Wänden hingen, müssen schon einige berühmte Jazzmusiker hier aufgetreten sein. Ich kenne mich mit Jazz nicht aus und kann die Qualität der Musik in der Bar nicht beurteilen. Jedenfalls habe ich dort das beste Sandwich in ganz Havanna gegessen und auch der Cuba Libre war klasse. Übrigens kein Eintritt und nur 5,-- CUC Mindestverzehr. Aber dafür keine Solo Frauen sondern nur Pärchen und Jazzfans.

Nach eine Stunde sind wir in den nächsten Laden gewechselt. Das war wirklich ein schummriger Laden mit einer Drittklassigen Salsa Tanzshow und Gesangsshow mit Vollplayback. Die Gestalten, die dort herumliefen entsprangen dem reinsten Horrorkabinett. Diese Chicas könnten in Deutschland noch nicht einmal im schäbigsten Laufhaus in der Nähe eines Bahnhofs einer Deutschen Großstadt die bei uns üblichen 30,-- Euro für eine Quicky verdienen. Also setzen wir uns an einen Tisch möglichst weit weg von der Bühne direkt mit dem Rücken zur Wand, damit wir bloß den ganzen Laden im Blick haben. Wir bestellen Cubra Libre und bekommen einen Mojito. Egal, er schmeckt erstaunlicher Weise. Den Gang zur Toilette hätte ich mir besser ersparen sollen. Es sind gleich zwei Zombies hinter mir her gestalpt und wollten mich zur Toilette begleiten. Ich also so schnell wie möglich zurück an unseren Tisch, trinke den Mojito aus und dränge auf einen baldigen Abschied aus der Bar. Die Show war auch schon zu Ende und ab, nichts wie weg hier. Wir sind also aus der Bar raus. Gleich nebenan ist ein Laden mit riesigen Schaufenstern. Der Laden ist voll. Aber zum Glück sind wir nicht rein gegangen weil wir noch rechtzeitig bemerkt haben, dass es sich um eine Bar nur für Schwule handelt. Ich meinte noch ganz locker, dass es meiner Meinung nach keinen Sinn macht, wenn wir in diese Richtung noch weiter laufen. Also kehrt gemacht um 180 Grad zurück in Richtung Apartment. Direkt neben dem Jazzklub (unserer zweiten Station an diesem Abend) gab es noch das Café Amor. Laut Reiseführer kostet der Schuppen 5,-- CUC Eintritt. Sonia und ich hatten schon keinen Bock mehr und wollten nach Hause aber Bernd der Unerschrockene Ritter aller Party Nächte wollte auch da noch rein und meinte zu dem fetten Türstehler: Lass mich erst mal reinschauen. Bernd also rein in den Laden, kommt zurück und meint doch tatsächlich da sei was los und wir sollten ruhig rein gehen. Wir wollen also die 5,-- CUC Eintritt bezahlen und wundern uns, dass es keine Kasse gibt und der Türsteher aus seiner Brieftasche 5,-- CUC rausholt um von Bernd den 20,-- CUC Schein anzunehmen. Ich denke mir noch, dass ich Bernd darauf hinweisen sollte, dass wir hier schon wieder abgezockt wurden, aber was soll es, ist ja sein Zwanziger gewesen und er wollte ja unbedingt noch da rein.

Der Laden war echt die Krönung des Abends. Das war schlimmer als die schlimmste Drecksbude, die ich in 9 Jahren in Brasilien jemals zu Gesicht bekommen habe. Bernd bestellt hoch motiviert 3 Cubra Libre. Sonia hat so einen Schock von dem Laden, dass selbst sie den Cubra Libre trinkt. Das war kein Cola mit Rum, das war ein Rum mit einem Schuss Cola. Aber ich bin mir noch nicht mal sicher, ob das Rum war, denn ich habe nichts davon geschmeckt. Es waren ungefähr 50 Gäste in dem Loch. Alles Schwarze. In Brasilien wären wir jetzt tot. Hier passiert uns nichts. Bis auf das Sonia von dem Kellner motiviert wird, wir sollten noch mehr Getränke bestellen und sie würde ja auch Prozente dafür bekommen und das die beiden Zombies aus dem letzten Laden auf einmal reinkommen und sich sofort an Bernd ranschmeißen. Ich flüchte mich an Sonias Seite und Bernd ist anscheinend schon so breit das er die Horrorgestalten an sich rumtätscheln lässt. Ich höre so mit einem Ohr zu was sie sagen und es verschlägt mir die Sprache als ich höre wie sie mit dem Finger in Richtung Toilette zeigen und ihn fragen: „Banjo, sucky sucky, 10,-- CUC“. Wer es nicht kapiert hat. Hier noch mal die Übersetzung. Sie wollten mit ihm zur Toilette und ihm für 10,-- CUC einen blasen. Sie konnten aber noch nicht mal das englische Wort „suck“ für „blasen“ richtig aussprechen. Irgend wie hat Bernd jetzt kapiert was los war und wollte auf einmal nun doch so schnell wie möglich nach Hause, aber ohne die Zombies, versteht sich. So nach 100 Metern in Richtung Apartment fängt er auf einmal tierisch an zu lachen und kriegt sich überhaupt nicht mehr, ein äfft ständig die Zombies nach und sagt andauernd „sucky sucky“. Als ob das noch nicht reicht hängt er dem sucky sucky noch ein „bum bum“ hinten dran. Na super denke ich, zum Glück laufen wir nicht über die Fußgängerzone meiner Heimatstadt und es kennt uns keiner in Havanna. Kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, kommt uns einer der 3 Studenten entgegen, die wir am Tag unserer Ankunft den Bus mit uns nach Guanabo genommen haben. Ich versinke fast im Boden, als Bernd dem Studenten auch noch die Geschichte von eben brühwarm erzählen will. Ich haue Bernd den Ellenbogen in die Seite und gebe dem Studenten zu verstehen, dass wir zuviel getrunken hätten. Darüber war Bernd anscheinend beleidigt und meinte im säuerlichen Ton er würde schon mal vorgehen. Vielleicht ist ihm aber auch einfach nur eingefallen, dass er den Studenten ja gar nicht kennt. Der Student also nur in die Schublade der „Arschlöcher“ und nicht der „Freunde“ einzuordnen ist. Wie ihr ja schon wisst, unterhält Bernd sich nicht mit fremden. Nach einem kurzen Reise Erfahrungsaustausch mit dem Studenten sind Sonia und ich dann auch nach Hause gegangen.


Dienstag, 23.09.2008: Havanna, Rückflug

Noch einmal so ein super Frühstück mit Obst und allem was dazu gehört. Unser letzter Tag in Kuba. Zum Glück keine anstrengenden Exkursionen mehr. Wir fuhren mit einem Oltimer Taxi zum Hotel Riviera. Dieses Hotel hat einen großen Swimmingpool und für 10,-- CUC Mindestverzehr pro Person konnten wir uns dort den ganzen Tag dort aufhalten. Jetzt habe ich am letzten Tag doch noch einen Sonnenbrand bekommen. Das war der Tag, an dem Bernd für 2 Stunden in dem voll klimatisierten Fitnessstudio seine Muskeln aufgepumpt hat. Woher nimmt der Mann nur die Energie. Ich bin echt fast tot von den 14 Tagen und er stemmt Gewichte. Ich habe mich von meiner Liege nicht runter bewegt außer um mich zwischendurch abzukühlen und meinen Mindestverzehr zu vertilgen. Anschließend zurück zum Apartment und duschen. Pünktlich um 18.00 Uhr kam das bestellte Taxi und wir fuhren zum Flughafen nach Varadero. Ich habe die gesamte Fahrt geschlafen. Am Flughafen verlief alles unkompliziert. Es waren aber auch kaum Fluggäste anwesend. Der „Check In“ hat 5 Minuten für uns 3 zusammen gedauert. Sonia und ich haben auf dem Rückflug bestimmt 6 Stunden geschlafen, währen Bernd sich alle 3 Filme reingezogen hat. Am Mittwoch, den 24.09.2008 sind wir um 13.00 Frankfurt angekommen ging es direkt weiter mit dem Zug in unsere Heimatstadt. Zum krönenden Abschluss blieb der Zug noch auf halber Strecke liegen. Was weiß ich warum. Ich habe mich nicht darüber aufgeregt. Um 19.00 war ich zu Hause. Urlaubsreif. Urlaub mit Bernd ist anstrengender als arbeiten, aber wenn eine Reise unternimmt, dann kann er etwas erzählen.




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